Nur ka Wasser net.

29. November 2011

Hans Traxler: Nur ka Wasser net. Zur Geschichte von Weinbau und Weingenuss im östlichen Weinviertel

Unter Mitarbeit von Ulrich Winkler-Hermaden. Mit Texten von Martin Neid und einem Geleitwort von Josef Pleil

Edition Winkler-Hermaden, 2011. ISBN 978-3-9503077-6-4 EUR 19,90

www.edition-wh.at

Das östliche Weinviertel ist wieder Thema in der Edition Winkler-Hermaden. Weinbau und Weingenuss schließen

sich folgerichtig an „A Gulasch und a Bier“ über Wirtshäuser und Gäste an, das 2010 erschienen ist. Die Buchgestaltung ist gleich geblieben.

Der Bodenkulturabsolvent und Weinbaufachmann Hans Traxler durchstreift das östliche Weinviertel auf den Spuren der Geschichte des Weinbaus und ihrer Protagonisten. Dabei grenzt er vier Großregionen ab: den Norden um Poysdorf/Falkenstein/ Herrnbaumgarten, die Gegend um Hohenruppersdorf/Matzen im mittleren Weinviertel, die Marchgegend um Stillfried/Mannersdorf und den Süden von Hagenbrunn bis Wolkersdorf.

 Anhand der Familiengeschichten von Winzerfamilien aus den Regionen, gespickt mit Fotos aus deren Familienalben sowie Fotos aus Sammlungen, wird ein Panorama der Geschichte um den Wein im 20. Jahrhundert entworfen. Dabei sind Interviews von Zeitzeugen und über 100 Altfotos sehr geschickt verbunden mit kompetentem Kommentar über Bodenbeschaffenheit, Sortenvielfalt und oenologischen Besonderheiten. Die Geschichte vom Weinbau im östlichen Weinviertel wird damit tatsächlich zum Genuss.

Martin Neid steuert mit seinen Anekdoten das Kolorit bei und Josef Pleil den politischen Rahmen, der dem Weinviertler Wein heute seinen Stellenwert gesichert hat. Dass die vorgestellten Winzerfamilien meist auch die Inserate am Buchende schalten, kann kein Zufall sein und ist wohl als kalkuliertes, aber duchaus zulässiges Sponsoring zu sehen.

Richard Edl

Wilhelmsburger Steingut

19. Dezember 2010

René Edenhofer: Wilhelmsburger Steingut. Lilien Porzellan. Markenführer 1795 – 1997. Lilien – Porzellan Preisführer 1959-1991. Eur 26.90 (incl. Versand)

Eigenverlag 2010 ISBN 978-3-9501460-7-3

www.wilhelmsburgersteingut.at

www.reneedenhofer.at

Das ist Knochenarbeit: René Edenhofer legt eine Aufstellung der Bodenmarken von Wilhelmsburger Steingut und Lilien – Porzellan vom Beginn der Wilhelmsburger Geschirrherstellung 1795 bis zur Schließung 1997 vor. Damit gibt er allen Fachleuten, Liebhabern und Sammlern ein Nachschlagwerk in die Hand, das eine präzise und eindeutige Zuordnung des Wilhelsmburger Geschirrausstoßes über mehr als 200 Jahre erlaubt. Voangestellt ist ein kurzer Abriß der wechselvollen Firmengeschichte, die sich in den Bodenmarken auf eindrucksvolle Weise spiegelt.

52 Steingutmarken und 23 Porzellanmarken werden beschrieben und mit zeitlich passenden Objekten bebildert. Damit ist ein Katalog entstanden, der in seiner Vollständigkeit einzigartig ist und dabei grafisch äußerst anspruchsvoll gestaltet ist. Es ist ein Vergnügen, eigene Stücke einzuordnen. Und man wird tatsächlich durchwegs fündig.

Beigelegt ist eine Broschüre, die die Verkaufspreise von Lilien – Porzellan der Form „Daisy“ im Dekor „Melange“, also dem Klassiker der Reihe, auflistet. Dazu wurden Preisbeobachtungen im Zeitraum März bis August 2010 zu Grunde gelegt.

Der Autor hat sich mit seinen Publikationen zur Wilhelmsburger Produktion, insbesondere zu Lilien – Porzellan, und zu Keramik im Allgemeinen einen ausgezeichneten Namen gemacht. Er kann als DER Experte angesehen werden. Seine Arbeiten haben die Renaissance von Lilien – Porzellan eingeleitet, zu einer Reihe von Ausstellungen geführt, und die Sammlerszene rund um die Marke mit kompetenter Information versorgt.

Richard Edl

A Gulasch und a Bier

16. Dezember 2010

Ferdinand Altmann: A Gulasch und a Bier. Von Wirtshäusern, Wirtsleuten und deren Gästen im Weinviertel

Edition Winkler-Hermaden, 2010. ISBN 978-3-9502845-7-7 EUR 19,90

www.edition-wh.at

Da hat sich einer die Mühe gemacht, den Weinviertler Wirtshäusern nachzuspüren, hat das öffentlich kundgetan und hat tatsächlich Resonanz gefunden bei den zahlreichen Sammlern und Wirtsleuten, die in ihren Fotoschachteln Schätze bewahren. Ferdinand Altmann ist da eine runde Sache gelungen. Kreuz und quer durchs Weinviertel werden Wirtshäuser und deren (Kurz)geschichten vorgestellt, woraus ein unterhaltsames Panorama der Weinviertler Gastlichkeit entsteht, wie sie noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg intakt war. Mittlerweile braucht es Initiativen vom Land, um mühsam dem hinterherzulaufen, was in früheren Zeiten selbverständlich war, nämlich der gastronomischen Nahversorgung. Die „Wirtshauskultur“ gibt es nur mehr in ausgewählten Beispielen, die tatsächlich oft hervorragend sind, aber mit Nahversorgung nichts mehr zu tun haben.

Wir durchstreifen den Nordrand Wiens, das Kreuttal, die Gegend um Wolkersdorf, das Marchfeld, wir zechen entlang der Brünnerstraße und entlang der Bernsteinstraße, also im östlichen Weinviertel von der March bis zu den Leiser Bergen.

Martin Neid hat Texte beigesteuert und Alfred Komarek ein Vorwort. Damit ist viel Stimmung beigetragen, die sehr melancholisch getönt ist und etwas einfängt, was wir vielleicht gar nicht mehr zurückhaben wollen. So viel Sehnsucht verspüre ich, auch ein Kind des Weinviertler Dorfes, nicht nach dem Wirtshaus. Da verbinde ich auch sinnloses Besaufen, Prügeleien und unendlich viel stumpfsinniges Gerede damit.

Mit 120 Seiten und 159 Abbildungen liegt ein schön gemachtes (Bilder)Buch vor uns, wobei ein Hoppala verzeihlich erscheint: Auf Seite 82 wird uns die Fassade des Gasthaus Rauscher in Asparn an der Zaya als Falkensteiner Gemeindewirtshaus verkauft.

Richard Edl

Polt. – Rezension

27. September 2009

Komarek.PoltAlfred KOMAREK:

POLT.

Kriminalroman

Haymon Verlag 2009. ISBN 978-3-85218-604-7. EUR 17,90 www.haymonverlag.at

Eigentlich hat er seinen Dienst schon vor Jahren quittiert, und eigentlich geht ihn die Polizei nichts mehr an, den gewesten Gendarmerieinspektor Simon Polt. Aber wie das Leben so spielt, stolpert er mit einem Freund bei Nacht und Nebel über einen Toten, so dass er gar nicht anders kann, als zu ermitteln – ohne Befugnis und mehr gedrängt als aus eigenem Antrieb.

Simon Polt ist wieder da, so wie Wolf Haas´s Brenner wieder da ist. Beide Herrn – längst in Ehren verabschiedet – wurden praktisch gleichzeitig aus dem Ausgedinge zurückgeordert. Vielleicht wurde eben so lange applaudiert, dass eine Draufgabe nicht zu vermeiden war. Und für beide Herren freuen wir uns.

Simon Polt zeigt sein Weinviertler Wiesbachtal verändert – die Abwanderung hat die Dörfer noch deutlicher ausgedünnt, die Autarkie ist noch mehr verloren gegangen, es gibt kaum mehr Infrastruktur. Polt ist zum Drittelwirten geworden, um gemeinsam mit Freunden noch irgendeine Restgastronomie aufrechtzuerhalten und arbeitet nebenbei in der längst unrentabel gewordenen Greißlerei Habersam. Das Rad hat sich im Wiesbachtal weitergedreht und Komarek hat das sehr genau beobachtet. Der Abgesang auf eine Region, die ihre traditionellen Strukturen weitgehend verloren hat, wird in einer Dichte und Stimmigkeit vorgetragen, die beklemmend ist.

Es kommt was Neues fürs Weinviertel, das wissen wir aus dem wirklichen Leben. Simon Polt wird nicht mehr dabei sein, vielleicht aber sein Nachwuchs, der – soviel darf ich schon verraten – demnächst das Licht der Welt erblicken wird. Mit Polt noch einmal in Weinviertler Abgründe zu schauen und die Gerechtigkeit auf gewohnt behäbige und weinreiche Art siegen zu lassen, hat sich allemal gelohnt.

Richard Edl

Brünner Straße – Rezension

24. September 2009

img288Christian JOSTMANN unter Mitarbeit von Lukas FASORA (Text) und Ulrich WINKLER-HERMADEN (Bild):

Die Brünner Straße.

Eine Geschichte des Verkehrsweges von Wien nach Brünn in Bildern.

Edition Winkler-Hermaden 2009. ISBN 978-3-9502688-6-7 EUR 19,90 www.edition-wh.at

Es ist DIE Transitroute durch das Weinviertel und es war die Straße, die dem Wein der Region einst den Namen gegeben hat: die Brünner Straße, Lebensader und Fluch zugleich. Jetzt, wo sie beinahe ausgedient hat – 2010 soll der erste Abschnitt der Nordautobahn eröffnet werden – ist ihr ein Buch gewidmet. An Hand von über 130 Altfotos und kundigen Bildtexten durchmessen wir die Straße, vom Wiener Spitz bis zur Videnska (Wiener Straße) in Brünn, und machen auf dem Weg viele Stationen, um all das zu erfahren, was das Leben an einem großen Verkehrsweg ausgemacht hat. Wir begegnen den Weinfuhrwerkern, die den Brünnerstrassler in die Stadt liefern, wir treffen Gütertransporte und Handelsreisende, Postkutschen und Soldaten, und wir lernen die Orte und ihre Bewohner kennen, die an und mit der Straße leben. So entsteht eine Kulturgeschichte vom 18. bis ins 21. Jahrhundert, die längst fällig war und die in Zusammenarbeit mit tschechischen Fachleuten ein stimmiges Bild einer wieder zusammengewachsenen Region ergeben. Der Verlag hat mit seiner ersten Weinviertel-spezifischen Publikation einen großen Wurf geschafft mit einem Thema, das quasi auf der Straße gelegen ist und bisher niemand aufgehoben hat.

Noch ein nachgereichter Hinweis: Die Chronik des Weinhauers Georg Anger aus Ketzelsdorf hätte noch mehr Lebensnähe zu den Soldaten – Einquartierungen entlang der Straße geliefert. Anger hat einen erschütternden Bericht über seine leidvollen Erfahrungen mit napoleonischen Soldaten im Jahre 1805 hinterlassen – (aufbewahrt im Weinviertler Museumsdorf).

Richard Edl 


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