Archive for Juni 2012

Der Nitsch und seine Freunde.

18. Juni 2012

Freya Martin: Der Nitsch und seine Freunde.

Styria Verlag, 2008

ISBN 978-3-222-13246-9

Preis: Euro 24.95 – nicht lieferbar

www.styriaverlag.at

Anlass war sein Geburtstag 2008: zum 70er von Hermann Nitsch wurde das Buch veröffentlicht, in dem Freunde und Weggefährten zu Wort kommen, die ihn oft seit Jahrzehnten begleitet haben. „Der Nitsch und seine Freunde“ nennt Freya Martin ihre Interviewsammlung und findet dabei eine stattliche Anzahl an Auskunftspersonen, die sich mit dem Meister verbunden fühlen. Dabei sind es nicht nur Künstlerfreunde wie Brus oder Attersee, Galeristen und Sammler wie Wolfgang Hilger oder Karlheinz Essl, es ist auch Erwin Pröll dabei, den viel mit dem geschmähten „Blutschmierer“ verbindet. Es wird immer wieder die Vielschichtigkeit und enorme Belesenheit des Jubilars betont, sein Humor und seine Liebe zur Kreatur. Nitsch hat die Skandalisierung seiner Kunst durchgestanden und ist zum weithin anerkannten Staatskünstler geworden. Da ist es wohl wert, auch hinter die Kulissen zu schauen. Und das gestattet uns Frau Martin mit Augenzwinkern, indem sie den Meister kumpelhaft mit Artikel versieht: der Nitsch ist mittlerweile zur Institution geadelt. Freya Martin ist Germanistin, hat ihre Dissertation über das Orgien Mysterien Theater gemacht und ist quasi Nachbarin von Schloß Prinzendorf. Im Weingut Martin in Neusiedl an der Zaya wird der Nitsch-Wein vinifiziert und ist dann im Doppler zu haben. Die aufschlußreiche Bebilderung trägt zum stimmigen Gesamteindruck bei, leider ist das Buch nur mehr antiquarisch verfügbar.

ri-edl

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Weinviertel Kochbuch. Tradition. Kultur. Küche.

18. Juni 2012

Manfred Buchinger/Wolfgang Galler: Weinviertel Kochbuch. Tradition. Kultur. Küche.

Metroverlag, 2011

ISBN 978-3-99300-035-6

Preis: Euro 25.-

www.metroverlag.at

Da wimmelt es von Rezepten aus dem Weinviertel, aufgeteilt in Festtagsküche und Alltagsküche. Der Weinviertler Kochstar Manfred Buchinger tritt gerne als Autor in Erscheinung. Er hat Riedenthal ob Wolkersdorf zu einem kulinarischen Mekka gemacht, in dem auch Krimiautorin Eva Rossmann den Kochlöffel schwingt. Die Gerichte sind auch äußerst ansprechend ins Bild gesetzt und es läuft einem beim Durchblättern tatsächlich das Wasser im Mund zusammen. Dazu sind Buchingers Rezepturen launig-unterhaltsam und praxistauglich. In dem Büchlein ist aber noch mehr drinnen als eine auf Tradition fußende Kochanleitung. Mitautor Wolfgang Galler, Historiker, liefert eine Kulturgeschichte des Essens und Trinkens im Weinviertel, die tatsächlich neu und aufregend ist. Dabei verrät der Titel nichts davon, der Historiker ist neben dem Koch kaum wahrzunehmen. Galler recherchiert penibel die Spuren von historischen Festtagsmahlzeiten, von Bräuchen, soweit sie Essen und Trinken betreffen, und von Alltagsernährung, die nur ganz wenig dokumentiert ist. Damit wird er zum kulinarischen Archäologen, der bei karger Datenlage erstaunlich fündig wird. Das ist wirklich ein Genuß. Davon würde man sich mehr wünschen.

ri-edl

Gesammelte Werke.

11. Juni 2012

Josef Weiland: Gesammelte Werke.

Reihe: „Weinviertel – Bibliothek“ Band 5

Edition Weinviertel, 2011. ISBN 978-3-902589-29-3

Preis: Euro 29.70

www.edition-weinviertel.at

Es ist Denkmalpflege im besten Sinn: Die Edition Weinviertel erschließt die großen Mundartdichter in repräsentativen Gesamtausgaben. Neben Karl Bacher und Lois Schieferl ist jetzt auch der große Josef Weiland wieder verfügbar. Weiland (1882 – 1961), Weinhauersso

hn aus Schrick, ist wohl der philosophischste unter den Verseschmieden der ui – Mundart. Er bringt zu Lebzeiten fünf Gedichtbände heraus, erschienen 1927 bis 1949. Posthum kommt 1982 der Band „Letzt’s Lesn“ mit zum Teil unveröffentlichten Gedichten hinzu.

Seine Gedankenwelt kreist um den bäuerlichen Alltag, aus dem er seine Vorstellung von Welt, Glaube, Heimat, Sitte und Anstand ableitet. Die dörfliche Lebenswelt ist mittlerweile vergangen, die Lektüre ist eine Zeitreise in ein vorindustrielles Weinviertler Dorf, wie es das Museumsdorf Niedersulz in der Architektur bewahrt. In der Nazi-Zeit steht Weiland der politischen Entwicklung hilflos gegenüber. Es kommt zu peinlichen Ausrutschern in Richtung „Deutschtum“ und „Durchhalten“. Nach dem Krieg versucht er in das alte Dorf zurückzufinden, ohne auf die veränderte Welt zu reagieren. Die wohl gültigsten Sachen sind in den 1930er Jahren entstanden, wo er eine dörflich gespeiste Weltweisheit entwickelt, die ihn tatsächlich als Philosophen ausweisen.

Weilands Bedeutung liegt im Festhalten und Bewahren der Weinviertler Mundart. Sein Werk ist mittlerweile zum Sprachdenkmal geworden. Wir haben durch ihn – gemeinsam mit Josef Misson, Lois Schieferl und anderen – eine bunte, bilderreiche, stimmige Sprache und deren Lebenswelt bewahrt. Ein wenig Mühe macht das Lesen. Da wäre eine CD mit Hörproben, wie es in den anderen Bänden gemacht wurde, wünschenswert. Der Edition Weinviertel ist großer Dank auszusprechen, die Fixsterne der Mundartdichtung wieder zugänglich zu machen.

Richard Edl

Das Weinviertel und das Marchfeld.

11. Juni 2012

Thomas Hofmann: Das Weinviertel und das Marchfeld.

Reihe: Falters Feine Reiseführer

Falter Verlag, 2012. 3. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage

ISBN 978-3-85439-467-9

Preis: Euro 29.90

www.falter.at

Das Weinviertel und das Marchfeld revisited: Thomas Hofmann hat die Region neuerlich gründlich durchstreift und wartet mit einer Fülle an Updates zu Kultur und Geschichte, Kulinarik und Wein, Wandern und Radfahren, Familie und Festen auf. Das Weinviertel wird modern vermittelt: kompetenter Text, der sich nicht in zu viele Details verliert, geschickte Bebilderung und ein dichter Infoblock, der Kontaktdaten aller Art bietet. Da ist für Planung, Reise und Nachbereitung alles zu finden. 17 Jahre nach der Erstauflage ein zeitgemäßer Relaunch.

Das Weinviertel und das Marchfeld werden übersichtlich in 13 Kapitel geteilt, die wiennah bei Korneuburg beginnen, im Uhrzeigersinn über Stockerau, Kirchberg am Wagram, Hollabrunn, Eggenburg und Retz über das Pulkautal nach Laa und Poysdorf weiterführen, dann über das Kreuttal bis Zistersdorf und Wolkersdorf gelangen und schließlich im Marchfeld enden. Dabei dürfen wir auch die Grenze überschreiten. Die Gegend um Znaim/Znojmo nördlich von Retz und die Gegend von Nikolsburg/Mikulov und Feldsberg/Valtice nördlich von Poysdorf werden mitdargestellt. Der/die Weinviertel – TouristIn fährt gerne über die Grenze, wenn ein paar Tage Aufenthalt geplant sind und ist somit gut bedient.

Den Kapiteln sind Detailkarten vorangestellt, die sich allerdings als nicht ganz tauglich erweisen. Viele der kleinen Orte, die gerade im Weinviertel oft Hochrangiges bieten und dementsprechend auch beschrieben sind, finden sich leider auf der „Detailkarte“ nicht wieder. Da ist der Verlag aufgerufen, bei der nächsten Auflage nachzujustieren. Und die wünsche ich dem „Feinen Reiseführer“ bald, verdient er sich doch eine weite Verbreitung.

Richard Edl