Archive for Februar 2013

Weinviertler Dialektlexikon. Band 2.

10. Februar 2013

Michael Staribacher: Weinviertler Dialektlexikon. Band 2.

Verlag Günther Hofer, 2012

ISBN 978-3-902111-44-9.   Euro 16.-

www.druckhofer.at      http://staribacher.dieweinviertler.com/weinviertler-dialektlexikon

StaribacherDialektlexikon.09022013

Das Buch ist ja bereits ein Klassiker: Staribacher’s Weinviertler Dialektlexikon gibt es seit 2003, also seit 10 Jahren. Und vor mehr als 20 Jahren ist das „Eichenbrunner Sprachlexikon“ erschienen, das den Beginn des Mundartengagements markiert. Jetzt kommt mit Band 2 die Ergänzung. Michael Staribacher hat weitergesammelt und eine Menge an Wörtern zusammengetragen, die bisher nicht enthalten waren. Dazu bietet er uns „Sprüche und Redewendungen“ sowie die gesammelten Folgen seiner Glosse „Reden tuit guit“ (insgesamt 33).

Mit dem Untertitel „Zur Weinviertler Mundart“ ist sie zuerst in der Zeitschrift „museumsdorf“ des Weinviertler Museumsdorfs Niedersulz erschienen (16 Folgen von 2004 – 2008) und wird bis heute in der Ortsbildbroschüre „NÖ  gestalten“ weitergeführt. In jeder Folge werden thematisch zusammengestellte mundartliche Wortgruppen vorgestellt.

Schließlich wird eine Liste von Dorf-Spottnamen/Spitznamen geboten, die wohl eine Weinviertler Eigenart darstellen und bis heute nicht umfassend dokumentiert sind. Es gibt kaum ein Dorf, das nicht von seinen Nachbarn mit einem Spitznamen bedacht wurde. Meist steckt eine Geschichte dahinter, wie zB. bei den Hausbrunnern, die liebevoll/spöttisch „Mondlöscher“ genannt werden, weil die Feuerwehr angeblich ausgerückt ist, um den vermeintlichen Brand zu löschen, der sich als der rotgefärbte aufgehende (oder untergehende) Mond über einem Stadel herausgestellt hat. Gern würden wir auch wissen, wieso die Föllimer „Weltachs-Schmierer“ genannt werden. Leider ist die Liste nicht vollständig und die Geschichten werden uns vorenthalten.

Michael Staribacher – Woche für Woche in den Regionalzeitungen mit einem mundartlichen Rätselwort vertreten – hat für das Sprachbewußtsein der Weinviertler enorm viel bewirkt. Die Mundart – lange Zeit als Sprache der Alten angesehen, für die man sich geschämt hat – ist chic geworden: ein wesentlicher Puzzlestein zum Weinviertler Selbstbewusstsein.

ri-edl

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Geschichten aus dem Weinviertel. Band 2.

10. Februar 2013

Michael Krickl: Geschichten aus dem Weinviertel. Band 2.

Herausgegeben von Irene und Detlev Gamon. Selbstverlag, 2012.

ISBN 978-3-9503371-2-9

Hardcover mit Schutzumschlag, 384 S.

Euro 21,90

gamon@aon.at

Irene und Detlev Gamon, Obere Landstraße 103, A-2130 Hüttendorf

+43 (0)2572/32307

KRICKLWeinviertelband2.07022013

Jetzt ist der zweite Band der „Geschichten aus dem Weinviertel“ da. Es ist nicht notwendig, die Qualität und die Authentizität der Texte noch einmal zu betonen, das ist bereits in der vorstehenden Besprechung festgestellt worden. Detlev und Irene Gamon haben ihr Projekt „Krickl“ auf drei Bände angelegt, wobei Band 1 und 2 die „Geschichten aus dem Weinviertel“ versammeln, Band 3, der noch 2013 erscheinen soll, wird „Geschichten aus Bruck an der Leitha und dem Burgenland“ bringen. Bruck an der Leitha ist Krickl‘s letzte berufliche Station. Ab 1931 ist er Direktor der Knabenhauptschule. In Bruck verbringt er auch seinen Lebensabend und verstirbt 1949.

Der Band 2 der Weinviertler Geschichten ist genauso angelegt wie Band 1, es gibt die „biographischen Geschichten“, die den größten Teil der Sammlung ausmachen und es gibt drei kleinere Kapitel, nämlich „Geschichten aus dem sozialen Umfeld“, „Dorfgeschichten Weinviertel“ und „Landschaftsschilderungen Weinviertel“. Nachgestellt sind wieder eine Reihe von Anhängen, die zu „Mundart, Personen und Orte“ Auskunft geben sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis bieten.

Noch reichhaltiger als im Band 1 ist die Bebilderung mit zeitgenössischem Fotomaterial, das im Zuge der Recherche zusammengetragen werden konnte. Die Gründlichkeit, mit der die Herausgeber gearbeitet haben, wurde bereits von niemand geringerem als Johanna Rachinger, Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek, gewürdigt, wie auf dem Klappentext dieses Bandes nachzulesen ist. Dem ist nur beizupflichten.

Die im Band 2 versammlten Geschichten unterscheiden sich qualitativ nicht von den Geschichten im Band 1. Es war die Fülle des Materials, die die Aufteilung notwendig machte. Eine geographische Unterscheidung erfolgt mit dem geplanten dritten Band, wie bereits oben angegeben. Eine vollständige Werkausgabe werden die drei Bände dennoch nicht sein, wie Detlev Gamon mitteilt. Manches von den späteren Texten (nach 1938) sei von den ideologischen Vorgaben der Nazi-Zeit beeinflusst und daher nicht aufgenommen worden.

Krickl und Fürnkranz, zwei Berichterstatter aus dem entschwundenen Dorf der Kindheit

Es lohnt sich, die Krickl’schen Texte mit der Schilderung der Weinviertler Kindheit von Rudolf Fürnkranz  zu vergleichen, dessen Buch „Der Schimmel aus der Grundlos“ schon vorgestellt wurde.

Krickl, Jahrgang 1883, ist etwa zwei Generationen älter als Rudolf Fürnkranz,  Jahrgang 1939. Beide schöpfen aus einer glücklichen Kindheit, die untrennbar mit dem Weinviertler Dorf verbunden ist. Beide sind dann in die Stadt gegangen, und beide haben sich ihre Kindheit als Inspirationsquelle bewahrt.

Krickl’s stärksten Texte sind die biographischen, die auch den größten Anteil an seinem Werk haben. Mit dem Rückgriff auf die eigene Kindheit in Form der Ich-Erzählung erreicht der Autor eine große Authentizität und Lebendigkeit. Verstärkt wird die Unmittelbarkeit des Erzählten durch die Mundart, die bei der direkten Rede verwendet wird.

Fürnkranz verfährt ganz ähnlich. Auch er nimmt die Erzählperspektive des Rückgriffs auf die Kindheit in Form der Ich-Erzählung ein, auch er berichtet mit großer Detailfreude und Genauigkeit. Fürnkranz verwendet die Mundart bei der direkten Rede in gleicher Weise wie Krickl, mit dem gleichen Effekt einer großen Unmittelbarkeit. Damit liefern uns die Autoren jeweils Zeitschnitte einer dörflichen Lebenswelt, die etwa 50 Jahre auseinanderliegen.

Die Quellenlage für dörfliche Lebensverhältnisse im Weinviertel aus der Sicht  der Betroffenen ist dünn. Die detailreiche Abschilderung des Lebens und Arbeitens machen die Texte zu einer wertvollen Quelle für volkskundliche/ wirtschaftsgeschichtliche/ soziologische Fragestellungen. Auch wenn mit einer Verklärung zu rechnen ist, liegt doch eine Zeitzeugenschaft vor, die sonst nicht mehr verfügbar ist.

ri-edl

Der Schimmel aus der Grundlos.

4. Februar 2013

Rudolf Fürnkranz: Der Schimmel aus der Grundlos. Verwurzelung und Kindheit in der Weinviertler Marktgemeinde Mailberg.

Reihe: Erzählte Lebensgeschichte

Edition Weinviertel, 2012. ISBN 978-3-902589-42-2

Gebunden, 360 Seiten, 177 sw-Bilder

Preis: Euro 24,20

www.edition-weinviertel.at

Es ist ein poetisches Buch, das uns Rudolf Fürnkranz vorlegt. Es ist die fantasiedurchwirkte Welt der eigenen Kindheit im Weinviertler Ort Fürnkranz.SchimmelGrundlos27012013Mailberg, die der Autor minuziös in Erinnerung behalten hat und bis heute davon zehrt. Wir bangen und träumen mit dem kindlichen Helden, den das Schicksal zum Waisenkind gemacht hat. Er wächst am Hof der Großeltern auf und ist Teil der dörflichen Welt der 1930er bis 50er Jahre. Aus der Perspektive des Kindes wird daraus eine dörfliche Familiensaga entwickelt mit allem, was dazugehört, die Verwandtschaft in Wien und die Kriegserlebnisse im Dorf eingeschlossen. Das Erzähltalent ist unbestritten, der Autor meistert seinen Stoff bravourös, wenn auch manches ein wenig altbacken anmutet: die Kapitelgliederung in „Einwurzelung“/ „Stamm“/ „Seitenäste“/ „Äste“/ „Zweig“ klingt nach längst vergangenen Zeiten, ist aber eine völlig falsche Fährte. Es gibt wenige Darstellungen der Weinviertler Lebenswelt, die so authentisch, so voller Herzenswärme und so lesenswert sind.

 

Rudolf Fürnkranz, Jahrgang 1939, ist kein unbeschriebenes Blatt: Historiker mit Schwerpunkt Regionalgeschichte rund um die Grenzstadt Laa, als Direktor der Handelsakademie in Laa an der Thaya über Jahrzehnte Teil des öffentlichen Lebens und schließlich erfolgreicher Krimiautor, der mit seinem „Schiketanz“ einen aufsehenerregenden Kriminalfall vorstellt, der natürlich in Laa spielt.

ri-edl