Straßengeschichte(n).

Stefan Eminger, Wolfgang Galler (Hg.): Straßengeschichte(n). Handelswege quer durch Europa und mitten durchs Weinviertel

Begleitbroschüre zur gleichnamigen Ausstellung im Schloss Wolkersdorf im Weinviertel (5. Mai 2013 bis 27. Oktober 2013)

Eigenverlag Stadtgemeinde Wolkersdorf im Weinviertel, 2013.

79 S., Euro 15.-

Stadtgemeinde Wolkersdorf, 2120 Wolkersdorf, Hauptstraße 28

Tel: 02245/2401-0  Fax: DW 49;  stadtamt@wolkersdorf.at

 

„Straßengeschichte(n) werfen einen unkonventionellen Blick auf die Geschichte des östlichen Weinviertels. … Straße verstehen wir dabei nicht nur als Fahrbahn, sondern auch als Kommunikationszone und Lebensraum. Unser Gegenstand sind die wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen im östlichen Weinviertel: die Bernsteinstraße, die Brünner Straße und die Schienenstraßen von Nordbahn (heute S1) und Ostbahn (heute S2).“

EmingerStraßengeschichten (1)

 

Die Einleitung verspricht den unkonventionellen Blick, der dann auch eingelöst wird. Er wird nämlich von zwei in professioneller und persönlicher Hinsicht absolut zuständigen Fachleuten geworfen: Stefan Eminger, Weinviertler und Historiker mit Schwerpunkt Zeitgeschichte und Wolfgang Galler, Weinviertler und Historiker mit explizitem regionalem Schwerpunkt und Erfahrung als Kurator. („Unser täglich Brot“ siehe im blog)

Sieben Kapitel hat die Ausstellung, sieben Kapitel finden sich demnach in der Broschüre. Wobei die Bezeichnung Broschüre der Publikation nicht gerecht wird. Es werden nicht die Exponate gelistet und die Saalgliederung abgeschildert. Hier wird Geschichte erzählt, und zwar in einer bis dahin kaum erreichten Qualität: mit zeitgemäßem Zugang, professionell recherchiert und professionell dargestellt.

Kapitel 1 läßt den Archäologen zu Wort kommen: Gottfried Artner hat mit seinem Team die projektierte Trasse der Nordautobahn archäologisch untersucht und stellt vor, was von der Urgeschichte bis zum abgekommenen mittelalterlichen Dorf zu finden war.

Kapitel 2 macht die Bernsteinstraße zum Thema.

Kapitel 3 widmet sich dem Straßenbau und der Straßenerhaltung ab dem 18. Jahrhundert.

Kapitel 4 mit dem Titel „Menschen auf der Straße – Menschen an der Straße“ erzählt von den Weinfuhrwerkern, den Marktfahrern, den Soldaten, den Flüchtlingen, den Vertriebenen, den Nachbarn, etc.  Da ist manches nach wie vor brisant, wie uns die gerade vorgestellte Doku „NEMCI VEN! Deutsche raus!“ über den Brünner Todesmarsch im Jahre 1945 ganz aktuell vor Augen führt http://www.simonwieland.com/.  Dieses Thema ist bis heute politisch nicht gelöst und drückt als Hypothek auf die Beziehungen zum Nachbarn.

Kapitel 5 berichtet über die Infrastruktur links und rechts der Straße: vom Beginn der Beschilderung über die Einkehrgasthöfe bis zu Großtankstelle und Wirtschaftspark.

Kapitel 6 hat die Eisenbahn zum Thema

Kapitel 7 bringt das Zeitalter des Automobils und dessen Triumphzug durch das 20. Jahrhundert bis zur Nordautbahn.

Auch wer die Ausstellung im Schloß Wolkersdorf (Prädikat: sehenswert!) nicht schafft, hat mit dem Büchlein ein Qualitätsdruckwerk verfügbar, das nur nachdrücklich empfohlen werden kann.

ri-edl

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Eine Antwort to “Straßengeschichte(n).”

  1. Die Geschichte der Ulrichskirchner Müllerzunft. | WeinviertelBücher Says:

    […] zur Kulturgeschichte des Weinviertels hervorgetreten (Weinviertel Kochbuch, Unser täglich Brot, Straßengeschichte(n), Jüdisches Niederösterreich, Das alte Wolkersdorf im Weinviertel), legt eine penible Untersuchung […]

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