Archive for August 2013

Brünnerstraßler ABC.

20. August 2013

Thomas Hofmann: Brünnerstraßler ABC. Eine genussvolle Kulturgeschichte des Weinviertler Weins

Driesch Verlag, Drösing 2013

Mit Farbillustrationen von Franz Schwarzinger

48 Seiten, Euro 13,-

ISBN 978-3-902787-11-8

www.drieschverlag.org

Das hat tatsächlich gefehlt: dem legendären „Brünnerstraßler“ in einem sachkundigen Glossar ein Denkmal zu setzen. Thomas Hofmann,HofmannBrünnerstraßlerABC Weinviertelkundiger (wie hier mehrfach nachzulesen) hat sich als Wortsammler betätigt und die Ernte mit Witz und Kompetenz kommentiert. Daraus ist ein Streifzug durch die „Kulturgeschichte des Weinviertler Weins“ entstanden, der tiefe Einblicke in bisher kaum vermittelte Eigenarten gestattet.

G wie „Guida“ meint den Wein, wie wir ihn heute ausschließlich trinken. H wie „Haustrunk“ ist im Gegensatz zum „Guidn“ der leichte Wein für den Eigenbedarf, der aus den bereits ausgepressten Trebern gekeltert wurde. Das muss zwar einem gestandenen Weinviertler nicht erklärt werden, der Rest der Welt lechzt aber nach Erläuterung. Viele Weinviertel-Spezifika finden hier ihre sachkundige Erst-Beschreibung und werden damit endlich dem Kanon der Weltkultur erschlossen.

Reinhard P. Gruber, steirisches Urgestein, ist mit seinem 1988 erschienenen „Schilcher ABC“ Pate gestanden. Herrn Gruber ist das Büchlein auch gewidmet. Franz Schwarzinger illustriert gekonnt in stimmigem Grün wie Grüner Veltliner, womit einer genussvollen Lektüre bei einem „Ochtl Guidn“ nichts mehr im Wege steht.

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Antennen zwischen Himmel und Erde. Flurdenkmäler.

9. August 2013

Prof. Walter Zach-Kiesling/Mag. Erich Broidl/Johann Rotter: Antennen zwischen Himmel und Erde. Flurdenkmäler. 400 der schönsten und interessantesten Wegkreuze, Marterln und Bildstöcke Niederösterreichs.

Verlag Berger, 2012

ISBN 978-3-85028-530-8

www.verlag-berger.at

272 S., zahlreiche Farbabbildungen  Euro 29,90

AntennenFlurdenkmäler

Bei dem  Bildband mit dem plakativen Titel „Antennen zwischen Himmel und Erde“ handelt es sich um eine Auswahl der „schönsten und interessantesten“ niederösterreichischen Flurdenkmäler. Zusammengestellt wurde das Werk von Prof. Walter Zach-Kiesling († 2007). Im Laufe seiner langjährigen Beschäftigung mit Marterln, Wegkreuzen und Bildstöcken dokumentierte er anhand von Fotografien und Beschreibungen um die 3000 Objekte, von denen nun 400 präsentiert werden. Die Veröffentlichung  erfolgt posthum und basiert auf einem Manuskript Zach-Kieslings, welches von Johann Rotter und dem Volkskundler Mag. Erich Broidl umgesetzt wurde.

Der Darstellung der einzelnen Kleindenkmäler wird ein allgemeiner Teil vorangestellt. Hierin wird der Begriff der Flurdenkmäler erläutert sowie die verschiedenen Denkmaltypen aufgelistet. Gleichzeitig wird versucht, eine historische Entwicklung aufzuzeigen. Darauf folgt eine Untersuchung der Standorte und in Zuge dessen wird die Frage nach den Funktionen der Denkmäler erörtert. In kurzen Kapiteln werden die Namensgebung, die Problematik der Datierung und die unterschiedliche Gestaltung thematisiert.

Die Flurdenkmäler werden versuchsweise chronologisch geordnet präsentiert. Die ersten Bildstöcke werden dem 14. und 15. Jahrhundert  zugeordnet, um schließlich im 20. Jahrhundert anzukommen. Die zeitlichen Einordnungen sind jedoch nicht immer nachvollziehbar vorgenommen. Es werden nicht nur kunsthistorisch hochrangige Werke wie die Lichtsäule von Klosterneuburg erfasst, sondern auch einfache, volkstümliche Marterl sowie moderne Kreuze, beispielsweise das stählerne OMV-Barbarakreuz bei Prottes.

Jedes Objekt ist mit mindestens einem Foto und einem kurzem Beitext ausgestattet. Die Texte sind deskriptiv gehalten und beinhalten meist sehr allgemein gehaltene Aussagen, beispielsweise zu den dargestellten Heiligen. Nur zum Teil wird eine genauere Einordnung in den entstehungszeitlichen oder örtlichen Kontext vorgenommen. Zwischen die Fotografien der Marterl und Kreuze mischen sich immer wieder Landschaftsfotos, die den Eindruck erwecken, Lückenfüller zu sein. Stattdessen wären zusätzliche Detailansichten interessanter.

Insgesamt liefert das reich bebilderte Werk einen sehr schönen Überblick über die unterschiedlichen Formen und Ausprägungen der niederösterreichischen Flurdenkmäler durch die Jahrhunderte. Damit werden auch jene Objekte dokumentiert, die sich mehr durch ihren ideellen als durch ihren künstlerische Wert auszeichnen.

Sophie Dieberger