Archive for Oktober 2013

Kunstschaffende im Land – ein Projekt des Weinviertel-Festivals 2013.

18. Oktober 2013

Milan Ráček und Ferdinand Altmann (Hg.):

Kunstschaffende im Land – ein Projekt des Weinviertel-Festivals 2013

177 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen, gebunden

Euro 15,-

Verlag u ISBN: k.A.

Erhältlich: Weinviertel Buchhandlung Mistelbach

http://www.facultas.at/standorte/dombuchhandlungen/dom_mistelbach

„Im weitgehend ländlich geprägten Niederösterreich ist die Kulturarbeit abseits urbaner Zentren von großer Bedeutung, welche durch KunstschaffendeRacekdas Viertelfestival NÖ zusätzliches Gewicht bekommt. Gestaltet von Menschen für Menschen, die sich dem Land und seiner Kultur verbunden fühlen, wird das Viertelfestival NÖ unter anderem auch zukünftig zeigen, dass Kunst und Kultur die Menschen über alle Staats- und Sprachgrenzen hinweg zu verbinden mag.“ (NÖ Viertelfestival)

Dieses Mission-Statement des niederösterreichischen Viertelfestivals unterstreicht der Atelierführer Ferdinand Altmanns und Milan Ráček gleich mehrfach: Der dreisprachige Band (deutsch/tschechisch/slowakisch) umfasst rund 80 KünstlerInnen aus 3 aneinander grenzenden Regionen, die durch Staatsgrenzen und lange Zeit auch durch den Eisernen Vorhang voneinander abgegrenzt sind bzw. waren – das Weinviertel, Südmähren und die Westslowakei. Das heißt, diese Ausgabe des Atelierführers vermag Sprach- und Staatsgrenzen zu überwinden, Kunstschaffende zu verbinden und ein bleibendes, befruchtendes Netzwerk für Gleichgesinnte zu schaffen.

Bereits 2004 wurde von den zwei Herausgebern ein erster Band mit der Kurzvorstellung von rund 74 KünstlerInnen publiziert, ebenfalls im Zuge des Viertelfestivals. Nach acht Jahren haben sich oft nicht nur die künstlerischen Ausdrucksformen verändert, sondern auch die KünstlerInnen selbst. So finden sich im neuen, aktualisierten 2. Band neue Gesichter, bei alt bekannten wird explizit auf die Weiterentwicklung hingewiesen.

Die Porträts der einzelnen Künstler umfassen biographische Daten, sowie eine kurze Vita und einen Überblick über die künstlerische Tätigkeit. Komplettiert werden diese durch ein Foto des Künstlers/ der Künstlerin und durch eine Auswahl an Werken, die einen Einblick in das Oevre des bzw. der Porträtierten gibt. Zusätzlich findet man die persönlichen Kontaktdaten, die das bereits oben angesprochene Vernetzen und in Kontakt treten erleichtert. Zusätzlich liegt dem Werk eine Landkarte bei, welche die Ateliers der einzelnen KünstlerInnen auch geographisch festhält.

Ferdinand Altmann und Milan Ráček gelingt somit mit diesem Band ein umfangreiches und gleichzeitig übersichtliches Handbuch bzw. Nachschlagewerk für Kunstinteressierte.

MF

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Jüdisches Niederösterreich. Entdeckungsreisen

7. Oktober 2013

Wolfgang Galler, Christof Habres: Jüdisches Niederösterreich. Entdeckungsreisen.

Mit Porträtfotos von Andrea Peller

Metroverlag, 2013

192 S., mit zahlreichen Abbildungen, gebunden mit Lesebändchen.

ISBN 978-3-99300-114-8      Euro 19,90

www.metroverlag.at

Durch das Buch ziehen sich zwei Ebenen. Die eine ist die historische Ebene, in der zunächst von den ersten Indizien jüdischer Besiedlung GallerJuden29082013in Österreich im 3. Jahrhundert berichtet wird, in der die Spurensuche von der Römerzeit durch das Mittelalter bis in die Neuzeit getrieben wird, in der die Ambivalenz des Zusammenlebens mit der christlichen Obrigkeit und Mitbevölkerung beschrieben, in der die Blüte der jüdischen Gemeinden im 19. Jahrhundert erzählt wird,  in der detailliert , geordnet nach Vierteln, die Daten der Synagogen- und Friedhofgründungen in niederösterreichischen Gemeinden aufgelistet werden, und die mit Berichten von Übergriffen und Vertreibung während der Nazizeit  endet.

Gleichzeitig wird eine Gegenwartsebene eingeschoben, in der 14 Porträts jüdischer NiederösterreicherInnen und/oder für die  Aufarbeitung jüdischer Geschichte engagierter BürgerInnen die historischen Kapitel unterbrechen. Die Porträts bringen Individualisierung in die historische Dimension, auch wenn sie zunächst irritieren. Sie bringen auch eine Verbindung zu der historischen Ebene, beginnen doch die Lebensgeschichten oft mit der Nazizeit, die meist nicht aus persönlicher Erinnerung sondern nur mehr aus Erzählungen der Eltern der Porträtierten bekannt ist. Die Wohnorte der neuen jüdischen NiederösterreicherInnen ergaben sich meist zufällig, manchmal als Zurückgekehrte auf der Suche nach dem arisierten Hab und Gut.

Christof Habres, engagierter Journalist  zum Thema jüdischer Spurensuche, und Wolfgang Galler, Historiker mit Niederösterreich-Schwerpunkt, überzeugen. Sie bieten lesbar aufgearbeitete Geschichte, ausgiebig recherchiert und zeitgeistig präsentiert. Als Entdeckungsreise zum Lesen und als Buch zum Nachschlagen gleichermaßen geeignet. Allen an niederösterreichischer und/oder jüdischer Geschichte Interessierten unbedingt zu empfehlen.

Helga Dieberger

Die Prager Straße.

7. Oktober 2013

Ernst BEZEMEK, Friedrich ECKER, Jiři KACETL:

Die Prager Straße.

Eine Geschichte des Verkehrsweges von Wien nach Prag in Bildern.

124 S. mit zahlreichen historischen Fotos. Matt celophanierter Pappband.

Edition Winkler-Hermaden, 2013

ISBN 978-3-9503378-5-3            EUR 19,90

www.edition-wh.at

 

Dem 2009 erschienenen Band Brünner Straße (Besprechung hier!) folgt jetzt die Prager Straße in gleicher Aufmachung. Auch das KonzeptPragerStraße22.09.2013 einer nachbarschaftlichen Kooperation ist gleich geblieben. Den österreichischen Straßenabschnitt bearbeitet das Team des Stadtmuseums Hollabrunn und den tschechischen der Historiker Kacetl vom Südmährischen Museum in Znaim/Znojmo. Das Ergebnis ist, um es gleich vorwegzunehmen, beeindruckend: der Text kompetent und die Bebilderung mit altem Foto-, Karten- und Bildmaterial anschaulich.

Der Reisende im Kopf erfährt im Überblick markante Stationen der Geschichte dieser Straße und erhält dann über die wesentlichen Orte nicht nur prägnante Information, sondern auch geschickt ausgewähltes Bildmaterial. Der Weinviertler Abschnitt von Floridsdorf über Korneuburg und Stockerau nach Hollabrunn und weiter bis Klein-Haugsdorf bietet manches Bekannte und auch vieles Unbekannte.

Der tschechische Teil gestattet einen Einblick in die Regionalgeschichte jenseits der Grenze aus tschechischer Sicht, der bisher kaum zugänglich war. Herr Kacetl besticht durch Sachkenntnis, Ausgewogenheit gerade bei der Darstellung der Zeitgeschichte und ein sensationelles Bildmaterial.

Straßengeschichte(n) sind in diesem Jahr angesagt im Weinviertel. Die gleichnamige Ausstellung über die Brünner Straße im Schloss Wolkersdorf ist noch bis 27. Oktober zu sehen (Besprechung hier!). Damit wird etwas Neues in die Regionalgeschichte eingeführt: das Thema Mobilität, womit der Blick zwangsläufig auch über die Grenze geleitet wird, die immer noch nicht ganz aus den Köpfen verschwunden ist.

Die edition-wh hat ihre Sache sehr gut gemacht. Zu beanstanden ist das uneinheitliche Layout von österreichischem und tschechischem Teil, was bei der Lektüre etwas irritierend ist.

ri-edl