Archive for Dezember 2013

Wein-Kultur-Wege.

6. Dezember 2013

Erich Pello:

Wein-Kultur-Wege

Die schönsten Ausflüge zu den Weinviertler Heurigen und Kunstschätzen

192 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen

styria regional, 2013

ISBN 978-3-7012-0141-9                    Euro 19,99

http://styriaregional.styriabooks.at/catalog/335/neuerscheinungen

Mit einer Gebrauchsanweisung für das Weinviertel rüstet Erich Pello zunächst seine Leser in seinem Wander- und Kulturführer aus, bevor er ihnen 23 unterschiedliche Routen vorschlägt und detailliert beschreibt.MF.WeinKulturWegePello

Diese Gebrauchsanweisung verrät nicht nur die Eigenheiten der Einheimischen, sondern verhilft auch mit zahlreichen praktischen Tipps und Hinweisen zu einem gelungenen Ausflug ins Grüne. Kurzweilig und prägnant gibt der Autor Einblicke zur Geschichte und Geologie, zum Klima und wie könnte es anders sein: zum Weinbau.

Bei den einzelnen Wanderungen, die wiederum in drei Regionen untergliedert sind, werden jeweils die regionalen Besonderheiten hervorgehoben, erst dann erfolgt eine Beschreibung des Weges. Wie es der Titel verspricht, legt der Autor den Schwerpunkt auf Wein und Kultur, dh. historisch Interessantes und Weinempfehlungen, gepaart mit graphisch hervorgehobenen Exkursen oder tituliert als „Seitensprünge“. Besonders die Vergleiche der Landschaft mit Szenen aus bekannten Filmen oder literarischen Werken, die bildreichen Beschreibungen sowie die Einflechtung von historischen und manchmal kuriosen Begebenheiten bereiten Lesevergnügen.

Unter der Rubrik „Tipps“ bekommt gibt es Hinweise zu Bademöglichkeiten, architektonischen Highlights, Museen und Kellergassen. Separat angeführt werden Heurige und Möglichkeiten zur Weindegustation.

Zuletzt folgt die Auflistung von Einkehrmöglichkeiten. In der einleitenden Gebrauchsanweisung merkt Erich Pello an, dass man als Tourist im Weinviertel ebenso in einer verrauchten 70er Jahre-Gaststube mit einem Angebot an Würstel und Gulaschsuppe landen kann wie in einem Lokal mit hervorragender regionaler Küche. Dennoch enttäuscht die Auswahl. So werden beispielsweise wirklich bemühte Gastronomen, die versuchen, bewusst kulinarische Akzente zu setzen, teils gar nicht erwähnt wie das Gasthaus Neunläuf (Wilfersdorf), oder gehen in der Auflistung, die leider ohne Kurzbeschreibung auskommt, unter. Der Fokus wurde offensichtlich auf die Kontaktdaten der jeweiligen Betriebe gelegt. Schade ist auch, dass Hinweise auf Veranstaltungen in der Region fehlen.

Graphisch überzeugt das Werk durch Schlichtheit und Übersichtlichkeit. Wunderschöne Landschaftsfotos, vor allem die Bilder einleitend zu den Regionen verlocken zu einer Wanderung auf den „Wein-Kultur-Wegen“.

MF

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Öldorado Weinviertel. Zur Geschichte des Erdöls im Weinviertel.

2. Dezember 2013

Gerhard Ruthammer:

Öldorado Weinviertel. Zur Geschichte des Erdöls im Weinviertel

Edition Winkler-Hermaden, 2013. ISBN 978-3-9503611-1-7. EUR 19,90

124 Seiten mit zahlreichen Fotos. Matt celophanierter Pappband.

www.edition-wh.at

Um es vorwegzunehmen: Das Buch ist ein Meilenstein. Über Erdöl und seine Geschichte im Weinviertel ist bisher kaum etwas RuthammerÖldoradoWeinviertel16112013veröffentlicht worden. Es gab die OMV – eigene Publikation „ÖMV – OMV. Die Geschichte eines österreichischen Unternehmens. Hg. Feichtinger und Spörker“, die anläßlich der Umbenennung des Unternehmens und des 40-jährigen Bestandsjubiläums 1995 erschienen ist. Darin gibt es eine kurze Darstellung der Vorgeschichte bis zum Ende der Sowjetischen Mineralölverwaltung 1955, wobei das Weinviertel bloß eine Nebenrolle spielt.

Herr Ruthammer, Erdölfachmann, OMV-Mitarbeiter und später Professor an der Montanuniversität in Leoben, fokusiert die Geschichte des Erdöls auf das Weinviertel. Anschaulich wird von den ersten Bohrversuchen bei Rabensburg 1915 und den Meilensteinen der Erdölsuche in den frühen 1930er Jahren, den Bohrungen „Windisch-Baumgarten 1A“ und „Gösting 1“ berichtet. Der Durchbruch gelingt mit der Bohrung „Gösting 2“ im Jahre 1932, die erstmals eine wirtschaftlich nutzbare Förderung erbringt. Damit beginnt die Erdöl-Ära im Weinviertel.

Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit der Zeit von 1938-1945, in der vor allem im Raum Neusiedl/Zaya und Zistersdorf rücksichtslos ausgebeutet wird. Mit Kriegsende und der Übernahme der Erdöl-Förderstätten durch die Sowjetische Mineralölverwaltung (SMV) verlagerten sich die Förderschwerpunkte auf den Mühlberg bei Bernhardsthal/Altlichtenwarth und die Region Matzen/Prottes. Auch die Sowjets beuten aus, was möglich ist. 1955 beginnt mit dem Staatsvertrag die Geschichte der OMV, die nur mehr im Überblick geboten wird.

Die Lektüre bietet einen roten Faden durch ein wichtiges Stück Wirtschaftsgeschichte, in der das Weinviertel eine zentrale Rolle gespielt hat. Dennoch ist sie bisher nicht dargestellt worden. Es ist erstaunlich, welche Fülle an anschaulichem Bildmaterial beigebracht und das  Thema damit auf eingängigeWeise illustriert wird. Herr Ruthammer übernimmt manches aus der eingangs erwähnten Publikation und bringt noch viel mehr Unpubliziertes. Hier wird tatsächlich eine Schneise in ein unbekanntes Gebiet geschlagen.

Das Thema ist allerdings erst angerissen. Sowohl Nazizeit als auch Besatzungszeit sind regionalhistorisch weitgehend unbearbeitet. Die Aufarbeitung jenseits von geglätteten Erfolgsstories steht noch aus. Dazu braucht es WirtschaftshistorikerInnen, die nicht aus dem Umfeld der OMV kommen.

Die OMV ist drauf und dran, im Weinviertel von der Bildfläche zu verschwinden. Viele Anlagen sind rückgebaut worden, geblieben sind Deponien und ein paar Nostalgie-Bohrtürme. Das Weinviertel hat vom schwarzen Gold wenig gehabt. Ein Themenpark „Erdöl“ in Neusiedl an der Zaya oder eine Dokumentation, die die Geschichte sichtbar macht, sind bis heute nicht zu Stande gekommen. Das neue Thema Schiefergas, das im Weinviertel heftige Proteste ausgelöst hat und derzeit wieder vom Tisch ist, wird in der Publikation sicherheitshalber gar nicht angesprochen.

Zu guter Letzt ist das fast schon zur Perseveration verkommene Kompliment an den Verlag Winkler-Hermaden auszusprechen, der mit bewährt gutem Gespür wieder ein ganz spannendes Thema vorgelegt hat.

Richard Edl