Archive for Februar 2014

HALT! Tragödien am Eisernen Vorhang. Die Verschlussakten.

15. Februar 2014

Stefan Karner: HALT! Tragödien am Eisernen Vorhang. Die Verschlussakten.

Unter Mitarbeit von Dieter Bacher, Harald Knoll, Philipp Lesiak, Kateřina Lozoviuková und Mirjana Söhn

EcoWin Verlag 2013

216 S., gebunden mit Schutzumschlag

ISBN 978-3-7110-0049-1        Euro 21,90

www.ecowin.at

Am Eisernen Vorhang an der niederösterreichisch – tschechoslowakischen Grenze haben  sich im hier behandelten Zeitraum von KarnerHalt!EisenerVorhang1945 – 1955 unglaubliche Tragödien abgespielt. Zwischen Thaya und March, so der Autor Stefan Karner, starben beinahe so viele Flüchtlinge wie an der Berliner Mauer. Man ist an Orson Wells „Dritten Mann“ gemahnt, wenn man die Geschichten über Spionage, Verrat, Verschleppung und Flucht liest, die der Historiker und Leiter des Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung aus den Archivbeständen des tschechischen Geheimdienstes destilliert. Der furchtbare Unterschied besteht darin, dass die Geschichten hier keine Fiktion sind.

Das Material gibt einen erstaunlich detailreichen Einblick in die Spionage- und Grenzsicherungaktivitäten der tschechoslowakischen Dienste. Hier war Schnittpunkt von Ost und West, Sowjetbesatzung und amerikanischer Geheimdienst waren ebenso involviert. 129 flüchtende Menschen starben hier im Kugelhagel der Grenzer, nicht mitgerechnet die Grenzsoldaten, die bei Unfällen oder durch Selbstmord ums Leben kamen.

Der heute vor allem als Naturreservat und grünes Band durch Europa wahrgenommene Grenzstreifen zwischen Ost und West wird in seiner Unmenschlichkeit erst langsam konkret erfassbar. Das Weinviertler Dreiländereck von Schrattenberg bis Rabensburg, in dem ich aufgewachsen bin, ist einer der Schauplätze. Die genannten Orte sind heute verschlafen, unschuldig und langsam entvölkert. In meiner Kindheit war die Grenze nicht hinterfragte Realität, unheimlich und gespickt mit Schauergeschichten, aber was dort passierte, wusste vor Ort niemand.

Bis heute aber ist der Eiserne Vorhang im Kopf geblieben, in Form eines Unbehagens, das unter anderem diese Publikation benennen kann. Nur wenn die historischen Wunden geöffnet und allgemein diskutiert werden, nicht nur in Fachkreisen, sondern in Politik und Gesellschaft auf beiden Seiten, wird es möglich sein, dieses schwelende Unbehangen zu überwinden. Es ist noch viel zu tun, um zu einer guten Nachbarschaft zu kommen. Nicht nur das Südmährerthema ist unaufgearbeitet.

RE

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So schmeckt das Weinviertel.

10. Februar 2014

Elisabeth Lust-Sauberer, Andreas König: So schmeckt das Weinviertel. 100 traditionelle Rezepte aus dem Land der sanften Hügel

Fotos von René van Bakel

Pichler Verlag, 2013

219 S., mit zahlreichen Abbildungen

ISBN 978-3-85431-621-3   Euro 24,99

www.pichlerverlag.styriabooks.at

Vom Grammelstrudel zum Rotweingugelhupf, vom Serviettenknödel zum Vanillekipferl lässt das Kochbuch „So schmeckt MFso schmeckt das wvdas Weinviertel“ kein traditionelles Rezept aus. Elisabeth Lust-Sauberer, Andreas König und René van Bakel präsentieren rund 100 traditionelle Gerichte, ausgeschmückt mit interessanten Hintergrundinformationen zur Weinviertler Esskultur. Die Zutaten hierfür stammen selbstverständlich aus der Region und variieren je nach Saison. Die Weinviertler Küche wird so vorgestellt, wie sie ist: bodenständig, deftig, mit zahlreichen böhmischen und mährischen Einflüssen, aber dennoch vielfältig von süßen Mehlspeisen über Suppen bis zu pikanten, sättigenden Hauptspeisen.

Die Rezepte wurden fünf Regionen zugeordnet, den Abschluss bildet ein Weihnachtskapitel mit Vorschlägen zu einem Weihnachtsmenü und unterschiedlichster Weihnachtsbäckerei. Die jeweilige Anleitung zur Zubereitung wird ergänzt durch Tipps der Köchin, die zum Verfeinern oder Variieren anregen.

Bereits das Cover verspricht aber nicht nur kulinarische Gaumenfreude, sondern auch einen optischen Genuss. Die Rezeptsammlung wird komplettiert durch herrliche Landschaftsbilder und Photographien der vorgestellten Speisen, die einem wortwörtlich Appetit aufs Weinviertel machen.

Wer sich also kulinarisch mit dem Weinviertel befassen und sein Rezeptrepertoire erweitern möchte, dem sei dieses umfangreiche Kochbuch wärmstens empfohlen.

MF