Archive for April 2014

Ziegelöfen und Lehmabbaue: Geschichte und Geologie.

22. April 2014

Christian Ferdinand Ramml: Ziegelöfen und Lehmabbaue der politischen Bezirke Mistelbach und Gänserndorf (Niederösterreich): Geschichte und Geologie – Archiv für Lagerstättenforschung Band 27.

Mit einem Beitrag von Thomas Hofmann und Ingeborg Wimmer-Frey

Geologische Bundesanstalt Wien, 2014.

ISBN 978-3-85316-072-5

ISSN 0253-097X

384 Seiten, 230 Abbildungen, 1.282 Ziegelfotos, 1 Anhang, 1 Beilage

Euro 65.-

http://www.geologie.ac.at/produkte-shop/detail/?id=1698&seo=27._band

Christian Ferdinand Ramml hat ganze Arbeit geleistet. In dem vorliegenden Band hat er in den Bezirken Mistelbach und GänserndorfRAMMLZiegelöfenMbGd18042014 systematisch die Lehmabbaustellen und Ziegelöfen aufgespürt. Dabei ist er auf die unglaubliche Zahl von 470 Treffern gekommen. Akribisch werden Besitzerlisten, Ziegelzeichen und verbliebene Spuren vor Ort recherchiert. Ramml nennt einleitend als wichtigste Quellen die Landaufnahmen der Kaiser Josef II. um 1780 und Franz I. um 1820, historische Grundbücher und die mittlerweile weitgehend online verfügbaren Pfarr-Matriken. Mit den lokalen Heimatforschern wird Kontakt aufgenommen und alle Abbaustellen werden (oft mehrfach) persönlich aufgesucht. Fast jedes Weinviertler Dorf hatte offenbar eine eigene Ziegel- oder zumindest Lehmziegelproduktion.

Dabei entstand eine Ziegelsammlung, oft im mehrenen Varianten, von fast allen Ziegelöfen. Ramml entschlüsselt die Zeichen und liefert mit über 1.280 Ziegelfotos ein Nachschlagewerk von bisher nicht verfügbarer Vollständigkeit. Die im Anhang gelisteten Ziegelzeichen machen so manches Rätsel einfach lösbar. Diese magischen Buchstaben waren oft Gegenstand von Mutmaßungen, die nicht geklärt werden konnten.

Das Verdienst der Geologischen Bundesanstalt ist es, ein Werk zu verlegen, das ein Einzelkämpfer aus Leidenschaft zusammengetragen hat, und damit eine Serie fortzusetzen, die mit der Arbeit von Helga Papp über den Bezirk Hollabrunn begonnen wurde. Die Aufmachung ist gediegen, neben dem Anhang mit der erwähnten Listung gibt es auch eine detaillierte Karte als Beilage, die bei der Orientierung äußerst hilfreich ist. Thomas Hofmann, der gemeinsam mit Ingeborg Wimmer-Frey einleitend den geologischen Hintergrund beisteuert, ist auch als Verlagsleiter der Bundesanstalt für die Publikation verantwortlich. Beiden, Autor und Verleger, ist für dieses Werk großes Lob auszusprechen.

RE

Advertisements

Laa/Thaya. Eine Zeitreise in Bildern.

6. April 2014

Rudolf Fürnkranz, Herbert Jaitner: Laa an der Thaya. Eine Zeitreise in Bildern.

Heimat Verlag 2013; keine ISBN

143 Seiten, Euro 25.-

mistelbach@dombuchhandlung.at

Dombuchhandlung im Weinviertel, Stadtplatz 29, A-2130 Mistelbach

heimatverlag@gmail.com Heimat Verlag, A-6858 Schwarzach

 

Laa’s renommierter Stadthistoriker Rudolf Fürnkranz und der Fotograf Herbert Jaitner haben sich auf eine Erkundungsreise durch dieFÜRNKRANZLaaZeitreise04042014 Stadtentwicklung gemacht. Akribisch wird entlang der Lebensader „Hauptstraße – Stadtplatz – Staatsbahnstraße“ die Topographie Haus für Haus erkundet und einerseits eine Besitzerliste geboten, andererseits altes Bildmaterial aktuellen Fotos gegenübergestellt. Beleuchtet wird der Zeitraum der rasanten Stadterweiterung von 1850 bis heute.

Was damit entstanden ist, ist eine Stadtarchäologie der besonderen Art. Es ist ein Nachschlagewerk zum Hausbestand der wichtigsten Achse der Stadt geworden. Mit dem opulent bestückten Planarchiv der Stadt und dem Glücksfall eines reichen fotografischen Bestandes kann den von Herbert Jaitner gelieferten Aufnahmen zu nahezu jedem Objekt der Einreichplan oder ein Alfoto gegenübergestellt werden.

Fürnkranz bietet immer wieder den historischen Hintergrund zu einzelnen Entwicklungsphasen. Er macht damit die Stadtentwicklung exemplarisch nachvollziehbar, die in der Gründerzeit auch in den Landstädten rasant einsetzt. Auch Laa schleift, wie die Haupt- und Residenzstadt Wien, die Stadttore, die Eisenbahnerschließung ab 1870 bringt einen enormen wirtschaftlichen Impuls und die Fülle an Gewerbetreibenden ist ganz erstaunlich. Auch die Geschichte des 20. Jahrhunderts von der Not der 1920er Jahre zum Reichsarbeitsdienst-Lager der Nazizeit bis zum Eisernen Vorhang, der unmittelbar am Ende der Hauptstraße verläuft, findet sich an diesem Straßenzug. Das Buch auch für den Nicht-Intimkenner der Stadt lesenswert.

RE