Archive for Juni 2014

Die Schweinedärme kullerten platschend auf den glitschigen Boden.

16. Juni 2014

Rudolf NÄHRIG: Die Schweinedärme kullerten platschend auf den glitschigen Boden. Szenen einer Kindheit

Osburg Verlag Hamburg, 2014

ISBN 978-3-95510-044-5

245 Seiten, gebunden

19,99 Euro

 

Ein ehemaliger Oberkellner eines altehrwürdigen Hamburger Luxushotes blickt zurück auf seine Kindheit in einem Weinviertler Hundertseelendorf: kein nostalgisches Erinnern, keine euphemistische Darstellung der eigenen Kindheit, sondern ein Tatsachenbericht, der kein Detail – sei es es noch so intim, liebevoll, abschreckend oder brutal – auslässt.naehrig_72dpi_rgb

Bereits der Titel des Buches lässt den geradlinigen, plastischen Erzählstil des Autors erahnen, immerhin ist ein ganzes Kapitel dem ereignisreichen Schlachttag gewidmet. Rudolf Nährig schafft es dadurch beim Leser im Kopf Bilder entstehen zu lassen, die jedoch im nächsten Moment mit der richtigen Portion Humor wieder aufgelockert werden.

Die Protagonisten des dörflichen Alltags werden mit all ihren Schwächen geschildert, wie beispielsweise der Oberlehrer, der den Kindern bisweilen mit der Weidenrute die Handinnenflächen blutig schlägt oder der Großvater, der im Ausnahmkeller geplagt von Wundbrand und sozialer Isolation ein menschenunwürdiges Dasein fristet.

In insgesamt 52 Kleinkapiteln reift der Ich-Erzähler vom Kleinkind zum Lehrling heran. Doch wer zuletzt eine Abrechnung aus dem fernen Norden Deutschlands mit den oft kleinkarierten Weinviertlern erwartet, der irrt. Der Autor schließt mit seinen ambivalenten Erinnerungen an seine Kindheit im Dorf dann doch versöhnlich: „Und nun haben diese vielen verschiedenen, schrecklichen und schönen Kindheitserfahrungen Form angenommen, sie sind für mich zu kleinen Miniaturen geworden, die ich (…) manchmal aus der Ferne, manchmal aus der Nähe, mit kritischen oder auch liebevollen Augen betrachte, mit Herzweh, Schmerz, Sehnsucht und oftmals auch amüsiertem Vergnügen.“

Alles in allem ist Rudolf Nährig damit ein kurzweiliges Werk gelungen, das sowohl stilistisch als auch erzählerisch überzeugt.

MF

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Über den Weinviertler Semmering.

15. Juni 2014

Karl und Martin ZELLHOFER: Über den Weinviertler Semmering. Die Eisenbahnstrecke Korneuburg – Ernstbrunn. Von der Landesbahn zur regiobahn.

Edition Winkler-Hermaden, 2014.

ISBN 978-3-9503611-8-6   EURO 19,90

http://www.edition-wh.at/

 

Das Buch gibt in den ersten Abschnitten einen kurzen Überblick über die Geschichte der Landesbahn für den Streckenabschnitt ZellhoferWeinviertlerSemmering11052014Korneuburg – Ernstbrunn, beschäftigt sich eingehend mit den gar nicht so unkomplizierten, dafür umso interessanteren topographischen Gegebenheiten („Weinviertler Semmering“) und dokumentiert den Personen- und Güterverkehr sowie die wesentlichen Betriebsabläufe aller Epochen mit zahlreichen Bildbeispielen. Sehr interessante Exkurse stellen die in der Literatur bisher eher vernachlässigten Betriebe der Materialseilbahn Ernstbrunn und der Schmalspurbahnanlagen des k. u. k. Eisenbahn- und Telegraphenregiment Korneuburg dar.

Ein weiterer Abschnitt ist den zahlreichen Jubiläen und Festen der Bahnstrecke aber auch der Region gewidmet, ebenfalls mit historischen Bildmaterial hervorragend ergänzt. Nicht vergessen wurde auf die zahlreichen Filmaufnahmen an der Landesbahn wie zum Beispiel „Steiner – Das eiserne Kreuz II“ und viele andere mit entsprechendem Bildmaterial.

Der Verein Neue Landesbahn wird vorgestellt mit seinen Bemühungen zum Erhalt der Strecke und als Organisator zahlreicher Jubiläen und Feste unter Einbezug der ganzen Region. Mit Bilddokumenten zu den regelmäßigen Fahrten des „Nostalgie-Express Leiser Berge“ der Erlebnis Welt Bahn der österreichischen Bundesbahn wird sowohl auf die Typenvielfalt der verwendeten Triebfahrzeuge (ein Genuss für Eisenbahnfreunde) als auch auf die die zahlreichen touristischen Möglichkeiten in der Region nach Anreise mit dem Nostalgiezug hingewiesen.

Abschließend wird noch die Vision der „regiobahn Leiser Berge“ vorgestellt, nach der auf modernisierter Strecke mit zeitgemäßen Triebwagen eine dem Individualverkehr konkurrenzfähige Fahrzeit von Ernstbrunn nach Wien erreicht wird.

Das Buch wird nicht nur Eisenbahnfreunde ansprechen. Auch historisch Interessierte sowie Touristen verschiedenster Provenienz werden Gefallen finden und Anregungen für die Freizeitgestaltung mitnehmen können. Und: Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.

Heinrich Dieberger

Polivka hat einen Traum.

2. Juni 2014

Stefan SLUPETZKY: Polivka hat einen Traum. Kriminalroman.

304 Seiten

Kindler, 2013

ISBN 978 3 463 4008   Euro 20,60

mistelbach@dombuchhandlung.at

http://www.facultas.at/list?back=0c8a22288b9261a7ce86af39a184b37d&xid=2339047

 

Sind Sie von Wien nach Langenlebarn

schon einmal mit der Bahn gefahren?

Tun Sie das nur mit großer Vorsicht,

weil man sich hier sehr leicht das Gnack bricht!

Ob dann a Gurkn echt im Hals steckt

Slupetzky.PolivkaTraum02032014

oder ihn nur aus seinem Traum schreckt,

herbei eilt schnell der Kommissar

Er folgt dem Mörder vom Wagon

mit Freund Hammel (frankophon)

trifft Sophie,

in Paris , paʁi,

mobil mit Auto, Zug und Flug

und Internet – na net!

Hammel wird ein Aug verlieren,

in Brüssel kann man alle schmieren,

Security und Aufsichtsrat, Präsident, Finanzminister,

(einer von den Bösen ist der),

geht mit dem Teufel auf die Pirsch und trägt seine Leibesfülle

in die Weinviertler Idylle.

In Herrnbaumgarten folgt das Finale.

Unvermeidliches Geknalle,

Verdauungsfeuer, Anschnallpflicht,

doch eines weiß man nachher nicht:

Warum des ersten Opfers Licht erlosch!

War‘s am End‘ der Gurkenfrosch?

 

Helga Dieberger