Archive for März 2016

Wo die Wiener Mammuts grasten.

30. März 2016

Thomas HOFMANN, Mathias HARZHAUSER: Wo die Wiener Mammuts grasten. Naturwissenschaftliche Entdeckungsreisen durch das heutige Wien

192 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
Durchgehend vierfarbig

Metroverlag, 2016

ISBN 978-3-99300-248-0

www.metroverlag.at   Euro 24,90

 

Da machen sich zwei Naturwissenschaftler, ein Geologe und ein Paläontologe, an die Arbeit, Wien auf andere Art zu erkunden. In 17 Beiträgen werden von den Mammutfunden, der Botanik der Ringstraße, dem Eisstoß von 1929, den Generationen von Elefanten des Tiergartens, dem spektakulären Auftritt HOFMANN,Mammuts23.3.2016 Albert Einsteins und vieles mehr berichtet. Der Leser erfährt Kapitel für Kapitel immer neue Aspekte eines naturwissenschaftlichen Panoptikums, das manchmal mehr Bildung, manchmal mehr Unterhaltung bietet. Auch wenn nicht jedes Thema das gleiche Interesse hervorruft, bleibt es immer kurzweilig. Beide Autoren sind geübte Vermittler an ein Laienpublikum mit Eloquenz, Humor und Augenzwinkern. Die vorgesetzte Kost wird damit bei aller Ernsthaftigkeit auf bekömmlichste Art genießbar.

Thomas Hofmann ist Bibliotheksleiter der Geologischen Bundesanstalt und Autor einer ganzen Heerschar von Büchern zu geologischen und kulturgeschichtlichen Themen, vor allem auch zum Weinviertel, seiner zweiten Heimat: Das Weinviertel und das Marchfeld, Weinviertel, Land und Leute, Brünnerstraßler ABC, Es geschah im Weinviertel, Es geschah im westlichen Weinviertel. Mathias Harzhauser, gebürtiger Weinviertler, ist Direktor der geologisch-paläontologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums und hervorgetreten durch populärwissenschaftliche Artikel und Vorträge. Die beiden Herren sind ideale Partner und stellen das Seite für Seite unter Beweis. Ergänzt werden die Texte mit einer stimmigen Bebilderung, zum Teil rezent angefertigt, zum Teil mit historischem Material. Eine wichtige Quelle, die viel Farbe in die Beiträge bringt, sind historische Zeitungszitate, die Hofmann auch in früheren Publikationen reichlich genutzt hat. Jetzt ist es Zeit, die Lobeshymne zu schließen. So witzig, so kompetent, so von der anderen Seite für dich und mich ist Wien noch kaum vermittelt worden.

RE

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Alt, aber Polt.

10. März 2016

Alfred KOMAREK: Alt, aber Polt. Kriminalroman.

184 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Haymon Verlag 2015.

ISBN 978-3-7099-7177-2. EUR 19,90

www.haymonverlag.at

 

Polt zum siebenten Mal. Nach den ab KomarekAltPolt06.03.20161998 erschienenen vier Bänden der aktiven Gendarmenzeit des Simon Polt folgt jetzt der dritte Band der Ruhestandsära: „Alt, aber Polt“. Jetzt ist der gewesene Weinviertler Landgendarm über 70, hat, spät, aber doch, Familie gegründet mit zwei mittlerweile halbwüchsigen Kindern und ist Hobby-Greißler von Brunndorf, Nachfolger im legendären Geschäft der Aloisia Habersam. Außerdem ist er Hobby-Winzer mit einem vollen Faß Wein in seinem Preßhaus und Hobby-Wirtsaushilfe beim Kirchenwirt, der für zwei oder drei Tage pro Woche aufsperrt, ebenso hobbymäßig von zwei Pensionisten geführt, die Polt-Lesern seit Anbeginn vertraut sind.

Ein Kellergassenfest mit einer toten jungen Frau macht Polt unfreiwillig noch einmal zum Ermittler und irgenwie laufen die Fäden zunehmend bei ihm zusammen. Auf die vielzitierte bedächtige Art entwickelt sich ein Gespinst der Dorfgesellschaft, in der die alten Werte nur mehr in Resten vorhanden sind und die junge Generation als gewaltbereite Gang, Grufties oder Nahtod-Fetischisten in Erscheinung tritt. Das Bild hat sich verdüstert, die Kellergasse hat ihren Reiz nur mehr als Festkulisse oder Drehort für einen Rustikalporno behalten. Geblieben sind die Alten als Hüter der Tradition, denen ihre Weinseeligkeit Krücke ist, die veränderte Welt auszuhalten. Überhaupt haben die Besäufnisse bei den handelnden Personen zugenommen, Abstinente kommen praktisch nicht vor. Auch Polts Alkoholkonsum darf durchaus als problematisch eingestuft werden.

Komareks Dorf ist im Umbruch. Bei den Alten herrscht viel Nostalgie und bei den Jungen wenig Perspektive. Wir wollen dem Simon Polt zugestehen, dass er am Vertrauten festhält, das zunehmend zum Klischee verkommen ist. Seine Ermittlungen verdichten sich mehr und mehr, lassen das Ende offen und klingen entsprechend philosophisch aus. Die Atmosphäre, das eigentlich Wichtige an dem Buch, kommt Gott sei Dank ohne Wehmut aus und ist bei aller Brüchigkeit sympathisch geblieben. Als Visitenkarte für Weinviertel-Interessierte ist der in die Jahre gekommene Landgendarm a.D. immer noch brauchbar.

RE