Der Michelberg

LAUERMANN.DerMichelberg30.11.2019

Ernst LAUERMANN: Der Michelberg. Eine archäologischer Hotspot im südlichen Weinviertel

Unter der wissenschaftlichen Mitarbeit von Elisabeth Rammer, Karin Kühtreiber, Paul Mitchell, Volker Lindinger, Anna Preinfalk (Archäologie), Margit Berner, Andrea Stadlmayr, Doris Pany-Kucera (Anthropologie), Herbert Böhm (Achäozoologie), Hubert Emmerig, Hanna Pietsch (Numismatik), Katharina Kaska (Historische Quellen)

132 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Hardcover

Edition Winkler-Hermaden, 2019

ISBN 978-3-9504625-6-2   EURO 21,90

http://www.edition-wh.at/


Ernst Lauermann, gewesener Landesarchäologe von Niederösterreich, legt sein neues Buch vor. Es geht um den Michelberg, den „Berg seines Herzens“, wie er selbst im Vorwort gesteht. Da, verheißt der Untertitel, könnte es heiß werden: „Ein archäologischer Hotspot im südlichen Weinviertel“. Nach „Archäologie des Weinviertels“ über die Urgeschichte und „Die dunklen Jahrhunderte des Weinviertels“ über die Zeit von den Römern bis zu den Babenbergern geht es jetzt um eine Aufarbeitung der archäologischen Untersuchung des seit der Urgeschichte besiedelten Berges nahe Stockerau. Lauermann hat in vier Grabungskampagnen in den Sommermonaten 2010 bis 2013 den Berg gründlich untersucht.

Sein besonderes Interesse galt der Spurensuche nach der auf dem Michelberg befindlichen Wallfahrtskirche, die schon unter Kaiser Joseph II. abgerissen wurde. Eine Mär berichtet von einer Kirchengründung in der Zeit Karls des Großen, die, um eines der Ergebnisse vorwegzunehmen, nicht bestätigt werden konnte. Der berühmte mittelalterliche Historiker Thomas von Haselbach, der aus der Gegend stammte, erwähnt eine Kirche.

Lauermann liefert eine sehr spannende Zusammenschau von historischen Quellen, früheren archäologischen Erkungungen, die bereits eine Besiedlung seit der frühen Bronzezeit nachweisen konnten, und den aktuellen Grabungen. Daran schließt die umfangreiche Auswertung der Funde an, an der ein interdisziplinäres Team von kompetenten Mitarbeiterinnen beteiligt war.

Es konnte der Bestand einer Kirche vom 11. bis zum 18. Jahrhundert nachgewiesen werden. Der letzte Bau, eine Wallfahrtskirche, entstand um 1745 und wurde nach den Josephinischen Reformen bereits 1785 wieder abgebrochen. Bis zur Errichtung der bis heute bestehenden Kapelle im Jahre 1867 gab es keinen Sakralbau auf dem Berg.

Besonders bemerkenswert erschienen mir die zahlreichen Bestattungen von Föten und Neugeborenen, die Zeugnis ablegen für die hohe Kindersterblichkeit im Mittelalter und noch weit in die Frühneuzeit hinein. „Traufenkinder“ nannte man die ungetauften Neugeborenen, die nicht im Friedhof bestattet werden durften. In der Dachtraufe der Kirche eingegraben, wurden die Gräber zumindest mit dem Dachwasser des Sakralgebäudes besprengt.

Die archäozoologische Auswertung der Tierknochen zeigt die Weinviertler von damals als würdige Vorfahren der heutigen Schnitzeltradition. Hauptanteil des geborgenen Knochenmaterials waren Schweineknochen.

Die letzte Baumaßnahme auf dem Berg war eine Funkmessanlage aus dem Zweiten Weltkrieg, die auf Grund der vorgefundenen Fundamente und  historischem Fotomaterial rekonstruiert werden konnte.

Das Buch ist gut geschrieben, laientauglich und ein spannendes Pilotprojekt für die exemplarische Auswertung eines „heißen Platzes“. Die Bebilderung, wie immer bei Winkler-Hermaden, ist genauso vortrefflich wie unverzichtbar.

RE

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