Straße und Handel – Siedlung und Herrschaft.

Wolfgang GALLER: Straße und Handel – Siedlung und Herrschaft. Der Grenzraum zwischen Niederösterreich, Mähren und der Slowakei von der Mitte des 2. Jh.n.Chr. bis zur Mitte des 11. Jh.n.Chr. am Beispiel der Handels- und Verkehrswege

Softcover, 280 Seiten, zahlreiche Abbildungen

Driesch Verlag o.J. (2019)

ISBN 978-3-902787-51-4   EURO 44.-

http://www.drieschverlag.org/

Auslieferung Buchhandlung Sterzinger, Wolkersdorf www.bookseller.at


Es ist schon ein großer Wurf, den Wolfgang Galler der Leserschaft bietet. Hervorgegangen ist das Buch aus seiner Dissertation am Institut für Österreichische Geschichtsforschung. Die Themenstellung ist nichts weniger als die Geschichte des östlichen Weinviertels und der angrenzenden Regionen aufzuarbeiten, über den unfassbaren Zeitraum von 900 Jahren. Es geht um das Wegenetz, das kreuz und quer das Gebiet durchzogen hat, und dessen Bedeutung für die Siedlungen und den Handel von der Römerzeit ab dem 2. Jahrhundert bis zum Beginn der Babenbergerzeit im 11. Jahrhundert. An wesentlichen geografischen Fixpunkten sind Donau und March die Vorgaben, an denen sich die Verkehrswege zu orientieren haben. Dazu gesellen sich Straßen im Nord-Südverlauf, wie die Bernsteinstraße entlang der March, die Nikolsburger Straße als Vorläuferin der Brünnerstraße und die Klippenzugstraße, die über Korneuburg Richtung Laa an der Thaya führt. Straßen im West-Ostverlauf waren etwa der Staatzer Weg über Gaubitsch und Großkrut Richtung March, die Ungarstraße über Korneuburg und Pillichsdorf Richtung March und der Nördliche Donauweg von Stockerau, Korneuburg an der Donau entlang Richtung Preßburg, um die wichtigsten zu nennen.

Soweit das Grundgerüst, auf dem sich die Akteure über den langen Zeitraum bewegten. Galler zeichnet die Geschichte durch die Jahrhunderte und Epochen mit einem interdisziplinären Zugang nach, an Hand von archäologischen Funden, schriftlichen Quellen, Ortsnamendeutung und genauer Kenntnis des Untersuchungsgebietes. Er macht sich die Mühe, Truppenbewegungen oder kaiserliche Reisetätigkeit anhand von physisch möglichen Tagesetappen und Lokalisierung durch schriftliche Quellen geografisch zu rekonstruieren. Dieses Verfahren gestattet dem Leser, der Leserin in seiner Genauigkeit eine manchmal tagesaktuelle Nachvollziehbarkeit. Damit macht die Darstellung auch der Nichtfachfrau, dem Nichtfachmann eine Zeit begreifbar, die in unserem historischen Verständnis gemeinhin weitgehend ausgeklammert ist. Nach den Römern folgen nach undurchschaubaren Wirren in der landläufigen Geschichtswahrnehmung die Babenberger, so zumindest das gängige Klischee. Gallers Verdienst ist es, die unbekannten 900 Jahre in das Bewusstsein einer breiten interessierten Leserschaft zurückzubringen. Wir treffen auf Langobarden, Awaren, Slawen, auf das Großmährische Reich, auf Franken, Baiern, Ungarn und die deutschen Kaiser. Mit der langfristigen Konsolidierung der Grenzverhältnisse durch die Babenberger endet die Untersuchung.

Galler hat mit der minutiösen Erforschung des Wegenetzes etwas Grundlegendes geschafft. Er hat einer Zeitspanne, in die sich bis heute viel Spekulatives und Sagenhaftes mischt, ein klar erkennbares Gesicht gegeben und der Region ein solides Fundament ihrer historischen Wurzeln. Diese bestehen aus einem komplexen Geflecht aus Wechselwirkung, Beeinflussung und Vermischung. Mit der Erstnennung Österreichs in der Ostarrichi-Urkunde von 976 wird die Geburtsstunde unserer Geschichte suggeriert. Die Mächtigkeit der Vorgeschichte ist aber bis heute wirksam und es ist notwendig, sie in unser Selbstverständnis zu integrieren, wie der Autor anschaulich vor Augen führt.

Die hervorragende Aufmachung des Buches ist einem privaten Sponsor, dem Verkehrsunternehmen Gschwindl, Wien 21, zu verdanken. Der Driesch Verlag hat für qualitätsvolle Umsetzung gesorgt.

RE


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