Das fliegende Motorrad

René EDENHOFER: Das fliegende Motorrad. 1925-1929. Die Schwingenflug-Konstruktion von Karl Cerny

Fester Einband, 108 Seiten, zahlreiche Abbildungen

Verlagsbuchhandlung Brüder Hollinek, Purkersdorf 2021

ISBN 978-3-85119-386-2

Euro 37,34

https://www.lovelybooks.de/autor/Rene-Edenhofer/Das-fliegende-Motorrad-3225208474-w/


René Edenhofer arbeitet sich in der jüngsten Publikation an einem Sonderling ab, der grandios an einer wunderlichen Idee scheitert. Schon die zuletzt vorgelegten Recherche über die Gründungsphase des Hagenbundes hat die Vorliebe des Autors zur originellen Nische erkennen lassen. Nach Standardwerken zu Lilienporzellan und Wilhelmsburger Keramik ist Neues auf dem Programm.

Karl Cerny, ein Lehrer aus Herzogenburg, verfolgt einen Lebenstraum, der gerade in den 1920er Jahren immer noch die Fantasie beflügelt. Cerny wollte ein Ein-Personen-Flugobjekt konstruieren, das nach dem Prinzip des Vogelflugs funktioniert. Die Flügel sollten also schwingen wie die eines Vogels und nicht starr sein wie bei den „Drachenfliegern“, wie die herkömmlichen Flugzeuge mit starren Flügeln von Cerny abschätzig bezeichnet wurden.

Cerny steckt alle Energie und Mittel in dieses Ziel. Es wird die „Gesellschaft der Schwingenflieger“ gegründet, es werden Patente angemeldet, die Presse mit Aussendungen versorgt. Ständig wird mit einigen wackeren Getreuen an der Konstruktion gearbeitet. Das „fliegende Motorrad“, wie die bevorstehende Revolution des Fliegens genannt wird, ist immer „fast fertig“, wenn die Presse nachfragt. Und „fast fertig“ ist es bis zum Tod des Erfinders geblieben.

Das „Motorrad“ hat nie abgehoben. Den „Schwingenfliegern“ ist das Geld ausgegangen, eine Zeitschrift mit fantastischen Versprechungen und nachdrücklichem Aufruf um Finanzierung finden immer weniger Resonanz. Als das Scheitern nicht mehr abzuwenden ist, begeht Cerny in einer dramatischen Inszenierung Selbstmord.

Edenhofer recherchiert penibel. Er gräbt eine unglaubliche Fülle an Material über fünf Jahre besessenem Festhalten an einer Seifenblase aus. Auch wenn die  Zukunft anders gekommen ist, hat dieses Verranntsein in eine Idee viel Beispielhaftes in sich. Was sich hier als Spinnerei eines Uneinsichtigen darstellt, ist für das Fortkommen der Welt unabdingbar. Es braucht die Spinner, die gegen den Strich Neues erproben. Und damit steht es allemal dafür, die Spuren des gescheiterten Daniel Düsentrieb nach zu zeichnen.

RE


Links:

Hagen-Gesellschaft.

Gmundner Keramik. Schleiss Keramik. Markenführer 1866–2017.

Militaria auf Keramik.

Uhrblätter der Wilhelmsburger Steingut-Fabrik.

Daisy. Liebling der Massen.

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