Archive for the ‘Krimi’ Category

Alt, aber Polt.

10. März 2016

Alfred KOMAREK: Alt, aber Polt. Kriminalroman.

184 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Haymon Verlag 2015.

ISBN 978-3-7099-7177-2. EUR 19,90

www.haymonverlag.at

 

Polt zum siebenten Mal. Nach den ab KomarekAltPolt06.03.20161998 erschienenen vier Bänden der aktiven Gendarmenzeit des Simon Polt folgt jetzt der dritte Band der Ruhestandsära: „Alt, aber Polt“. Jetzt ist der gewesene Weinviertler Landgendarm über 70, hat, spät, aber doch, Familie gegründet mit zwei mittlerweile halbwüchsigen Kindern und ist Hobby-Greißler von Brunndorf, Nachfolger im legendären Geschäft der Aloisia Habersam. Außerdem ist er Hobby-Winzer mit einem vollen Faß Wein in seinem Preßhaus und Hobby-Wirtsaushilfe beim Kirchenwirt, der für zwei oder drei Tage pro Woche aufsperrt, ebenso hobbymäßig von zwei Pensionisten geführt, die Polt-Lesern seit Anbeginn vertraut sind.

Ein Kellergassenfest mit einer toten jungen Frau macht Polt unfreiwillig noch einmal zum Ermittler und irgenwie laufen die Fäden zunehmend bei ihm zusammen. Auf die vielzitierte bedächtige Art entwickelt sich ein Gespinst der Dorfgesellschaft, in der die alten Werte nur mehr in Resten vorhanden sind und die junge Generation als gewaltbereite Gang, Grufties oder Nahtod-Fetischisten in Erscheinung tritt. Das Bild hat sich verdüstert, die Kellergasse hat ihren Reiz nur mehr als Festkulisse oder Drehort für einen Rustikalporno behalten. Geblieben sind die Alten als Hüter der Tradition, denen ihre Weinseeligkeit Krücke ist, die veränderte Welt auszuhalten. Überhaupt haben die Besäufnisse bei den handelnden Personen zugenommen, Abstinente kommen praktisch nicht vor. Auch Polts Alkoholkonsum darf durchaus als problematisch eingestuft werden.

Komareks Dorf ist im Umbruch. Bei den Alten herrscht viel Nostalgie und bei den Jungen wenig Perspektive. Wir wollen dem Simon Polt zugestehen, dass er am Vertrauten festhält, das zunehmend zum Klischee verkommen ist. Seine Ermittlungen verdichten sich mehr und mehr, lassen das Ende offen und klingen entsprechend philosophisch aus. Die Atmosphäre, das eigentlich Wichtige an dem Buch, kommt Gott sei Dank ohne Wehmut aus und ist bei aller Brüchigkeit sympathisch geblieben. Als Visitenkarte für Weinviertel-Interessierte ist der in die Jahre gekommene Landgendarm a.D. immer noch brauchbar.

RE

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Polt.

27. September 2009

Alfred KOMAREK: POLT. Kriminalroman.

Haymon Verlag 2009. ISBN 978-3-85218-604-7. EUR 17,90

www.haymonverlag.at

Komarek.Polt

Eigentlich hat er seinen Dienst schon vor Jahren quittiert, und eigentlich geht ihn die Polizei nichts mehr an, den gewesten Gendarmerieinspektor Simon Polt. Aber wie das Leben so spielt, stolpert er mit einem Freund bei Nacht und Nebel über einen Toten, so dass er gar nicht anders kann, als zu ermitteln – ohne Befugnis und mehr gedrängt als aus eigenem Antrieb.

Simon Polt ist wieder da, so wie Wolf Haas´s Brenner wieder da ist. Beide Herrn – längst in Ehren verabschiedet – wurden praktisch gleichzeitig aus dem Ausgedinge zurückgeordert. Vielleicht wurde eben so lange applaudiert, dass eine Draufgabe nicht zu vermeiden war. Und für beide Herren freuen wir uns.

Simon Polt zeigt sein Weinviertler Wiesbachtal verändert – die Abwanderung hat die Dörfer noch deutlicher ausgedünnt, die Autarkie ist noch mehr verloren gegangen, es gibt kaum mehr Infrastruktur. Polt ist zum Drittelwirten geworden, um gemeinsam mit Freunden noch irgendeine Restgastronomie aufrechtzuerhalten und arbeitet nebenbei in der längst unrentabel gewordenen Greißlerei Habersam. Das Rad hat sich im Wiesbachtal weitergedreht und Komarek hat das sehr genau beobachtet. Der Abgesang auf eine Region, die ihre traditionellen Strukturen weitgehend verloren hat, wird in einer Dichte und Stimmigkeit vorgetragen, die beklemmend ist.

Es kommt was Neues fürs Weinviertel, das wissen wir aus dem wirklichen Leben. Simon Polt wird nicht mehr dabei sein, vielleicht aber sein Nachwuchs, der – soviel darf ich schon verraten – demnächst das Licht der Welt erblicken wird. Mit Polt noch einmal in Weinviertler Abgründe zu schauen und die Gerechtigkeit auf gewohnt behäbige und weinreiche Art siegen zu lassen, hat sich allemal gelohnt.

Richard Edl