Posts Tagged ‘Altlichtenwarth’

Kindheit und Schule im Ersten Weltkrieg.

21. März 2015

Hannes Stekl, Christa Hämmerle, Ernst Bruckmüller (Hg): Kindheit und Schule im Ersten Weltkrieg.

Austriaca. Schriftenreihe des Institutes für Österreichkunde.

new academic press, 2015

200 Seiten, Paperback. Euro 28.-

ISBN 978-3-7003-1888-0

www.newacademicpress.at

Das Institut für Österreichkunde hat 2013 in St.Pölten zu einer Tagung gerufen, deren Ergebnis in diesem SteklSchuleErsterWeltkriegSammelband vorliegt. Kindheit und Schule im Ersten Weltkrieg werden als Forschungsthema unter den verschiedensten Gesichtspunkten vorgestellt. Christa Hämmerle und Hannes Stekl geben den europäischen Überblick, wobei Frankreich das Thema in den 1990er Jahren initiiert hat, der Forschungsstand in England und Deutschland dargelegt wird und mit den einschlägigen Arbeiten von Frau Hämmerle und anderen der spezifisch österreichische Zugang vorgestellt wird. In 10 Beiträgen von teilnehmenden Autoren werden Spezifika des Trentino (ehemals Welschtirol), Tirols, Salzburgs, Wiens und auch Niederösterreichs gezeigt.

Im Fokus der Besprechung steht natürlich der spezifisch niederösterreichische Blickwinkel. Ernst Langthaler, Leiter des Instituts für Geschichte des ländlichen Raums in St. Pölten, zeigt den Krieg an der „Schulfront“ anhand einer Schulchronik aus Frankenfels in der Ötscherregion, Standort der Landesausstellung NÖ 2015. Dabei wird deutlich, wie sehr die Lehrerschaft für die Kriegspropaganda instrumentalisiert wurde.  Ziel war wohl, Spenden- und Opferbereitschaft unter den Kindern und über die Kinder zu verstärken. Ein Altfoto von Krieg spielenden Buben (S. 33) aus Harmannsdorf-Rückersdorf im Weinviertel kann ergänzt werden durch ein ähnliches Foto aus Altlichtenwarth, 2003 von mir publiziert. Eine Gruppe von 28 etwa 7-10 jährigen Buben tragen Holzschwerter und Papierhelme, es gibt zwei Fahnenträger. Die Aufnahme stammt von 1917. (Richard Edl: Östliches Weinviertel. Alltag im Dorf. Reihe Archivbilder. Sutton Verlag, 2003).
SteklAlltagAli4
Erst die Thematisierung von Kindheit und Schule als Forschungsgegenstand ermöglicht die Zuordnung eines derartigen Fotofundes in zeitspezifische Bedingtheiten. Die Lektüre ist auch dem interessierten Laien durchaus zu empfehlen.

RE

Die Pfarrkirche von Altlichtenwarth. Archäologische und bauhistorische Untersuchungen.

21. Dezember 2014

Franz Sauer: Die Pfarrkirche von Altlichtenwarth. Archäologische und bauhistorische Untersuchungen.

Mit Beiträgen von Richard Edl, Karl Grossschmidt, Barbara Rendl, Andreas Rohatsch, Andrea Straub und Michael Urban

Reihe Fundberichte aus Österreich. Materialhefte. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt

Verlag Ferdinand Berger, 2014

ISSN 1993-1271

Euro 15.-

Erhältlich: Bundesdenkmalamt: nikolaus.hofer@bda.at                    Gemeindeamt Altlichtenwarth: gemeinde@altlichtenwarth.gv.at

AliSauerGaller

Der reich und wunderschön bebilderte Band gibt Einblicke in und um die Kirche von Altlichtenwarth. Franz Sauer leitet mit einem historischen Überblick über die regionale Ausbildung von Macht- und Herrschaftsverhältnissen, eingebettet in die überregionale Entwicklung, die sehr gut die örtlichen Ereignisse in globalen Zusammenhang stellt, zwischen der Mitte des 11. Jahrhunderts bis in das ausgehende 13. Jahrhundert ein.

Der darauf folgende Beitrag bietet einen detaillierten Überblick über die archäologischen Fundstellen im Raum Altlichtenwarth.

DAliGallerSauerRohatschas dritte Kapitel behandelt die Bauphasen der Kirche von der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts bis in das 17. Jahrhundert. Besonders hilfreich sind dabei die übersichtlichen Baualterspläne. Grafisch sehr schön aufbereitet sind auch Statistiken zu den Nikolauspatrozinien in (Ost)österreich, zu denen die Altlichtenwarther Kirche zählt. Nicht nur wird angeführt, wo es Kirchen mit diesem Patronzinium im Burgenland, Niederösterreich und Wien gibt, es werden auch die Patrozinien österreichweit in einer Zeitleiste präsentiert. Anhand dieser wird die Häufung der dem hl. Nikolaus geweihten Kirchen zur Entstehungszeit der Altlichtenwarther Kirche deutlich. Darauf folgt die zeitliche Einordnung der Altlichtenwarther Fresken sowie eine Vorstellung des enthaltenen Bildprogramms. An diese Beiträge, die allesamt von Franz Sauer stammen, schließt Andreas Rohatsch mit zwei Beiträgen über die Baugesteine beziehungsweise die Marmorarten des Hochaltars der Kirche an.AliSauerGallerEdl

Der Altlichtenwarther Forscher Richard Edl widmet sich in seinem Beitrag dem örtlichen Kirchenfriedhof, der seit der Kirchengründung in Verwendung stand. Edl beschreibt hier nicht nur die Grabdenkmäler genau, er widmet sich in einem eigenen Abschnitt auch den dahinter stehenden Geschichten. Abgeschlossen wird der Band durch das Kapitel Skelette, Mumien und Scheintod von Karl Grossschmidt, Barbara Rendl, Andreas Straub und Michael Urban. Die zahlreichen untersuchten Bestattungen stammen sowohl vom Kirchenfriedhof als auch aus der Kirche selbst, wo einige der dort Beigesetzten auf natürlichem Wege mumifiziert wurden.

Wolfgang Galler