Meeresstrand und Mammutwiese.

13. August 2019

Thomas HOFMANN, Mathias HARZHAUSER & Reinhard ROETZEL: Meeresstrand und Mammutwiese. Geologie und Paläontologie des Weinviertels

138 Seiten mit zahlreichen Abbildungen

Edition Winkler-Hermaden, 2019.

ISBN 978-3-9504625-5-5  EURO 21,90

http://www.edition-wh.at/

Drei fachlich versierte Autoren versuchen die Geologie und Paläontologie des Weinviertels einem interessierten Laienpublikum näher zu bringen: Thomas Hofmann, thematisch und publizistisch erfahrener Mitarbeiter der Geologischen Bundesanstalt, Mathias Harzhauser, Paläontologe und Abteilungsdirektor der geologisch-paläontologischen Abteilung am Naturhistorischen Museum, und Reinhard Roetzel, Leiter der Fachabteilung Sedimentgeologie an der Geologischen Bundesanstalt.

In den ersten beiden Kapiteln geben sie einen Überblick über die geologische Hofmann.MeeresstrandMammutwiese07.07.2019Großlandschaft Weinviertel und deren Entwicklung. Die „Zeitreise quer durch 600 Millionen Jahre“ erklärt die Entstehung von Granit, dem ältesten Gestein, bis hin zum Löss, der landschaftsprägenden oberflächlichsten und jüngsten Formation. Die folgenden Kapitel widmen sich mehr oder weniger bekannten geologischen und paläontologischen Fundstellen wie dem Maissauer Amethyst, den berühmten Eggenburger Funden des Pioniers Krahuletz an den Ufern des Urmeeres Parathetys,  dem Muschelberg von Nexing, der Austernbank vom Teiritzberg oder den Erdöllagerstätten des östlichen Weinviertels. Letztere bieten durch ihre intensive Beforschung mit Tiefbohrungen den Geologen besonders viel Informationsmaterial.

Der bunte cartoonähnliche Buchdeckel, die reiche Bebilderung und die flotten  Kapitelüberschriften täuschen: Es handelt sich keineswegs um eine leichte, mit einem Sommerkrimi vergleichbare Lektüre. Die Abfolge der Erdzeitalter, die komplexen Entwicklungen der Höhe des Meersespiegels oder auch  geologische Grundbegriffe, die Fachleuten selbstverständlich sind, muss sich die Leserin/der Leser erst erarbeiten! Oder wer hat sofort die Bedeutung für Begriffe wie Molassezone und geologische Störung oder die zeitliche Einordnung von Pleistozän und Eozän parat? Nicht alles ist dann auch dem Text zu entnehmen. Zum Beispiel war es mir nicht einleuchtend, warum die schöne geologische Zeittafel der letzten 23 Millionen Jahre im Weinviertel zwei unterschiedliche Spalten mit anderen Namen für ähnliche Zeiträume zeigt. Erst Professor Google hat mir erklärt, dass die zeitliche Standardgliederung in unterschiedlichen Teilen der Welt je nach paläontologisch bedeutsamen Großräumen bzw. Fundorten auch andere Namen hat, also das Eggenburgium eben nur im Raum Paratethys so heißt, international eine Unterteilung des frühen Miozäns mit Anteilen des Aquitaniums und Burdigaliums ist und in Norddeutschland wiederum völlig anders bezeichnet wird. Trotzdem ist diese Übersichtstafel zur Orientierung sehr schön, die wichtigsten Fossilienfunde des Weinviertels sind chronologisch übersichtlich abgebildet.

Aber das ist Jammern auf höherem Niveau. Allen Interessenten der Weinviertelkunde bietet dieses Buch einen weiteren Puzzlestein für ihre Leidenschaft – und wenn man sich beim Lesen etwas intensiver in die Thematik vertiefen muss, wird das Vergnügen noch erhöht!

HD

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Eine kleine Flurnamenkunde.

4. August 2019

Elisabeth ARNBERGER: Eine kleine Flurnamenkunde. Über die Riednamen aus den Katastralgemeinden der Stadtgemeinde Poysdorf, ihre Herkunft und ihre Bedeutung

103 Seiten mit zahlreichen Abbildungen

Eigenverlag der Poysdorfer Kellerakademie, 2019.

ISBN 978-3-200-06366-2  EURO 18,90

Bestellung: post@kellerakademie.at

http://www.kellerakademie.at/

Die „kleine Flurnamenkunde“ von Poysdorf und seiner Katastralgemeinden ist die PoysdorfFlurnamenkundeArnberger31.07.2019Hebung eines besonderen Schatzes. Die Riednamen, die den Lagenweinen einen besonderen Klang verleihen, werden auf ihren Bedeutungsgehalt untersucht. Elisabeth Arnberger, Germanistin mit Schwerpunkt Flurnamenkunde, ist eine kompetente Interpretin von berühmten Namen wie „Saurüsseln“ oder „Hermannsschachen“. Die „Saurüsseln“, namengebend für den wohl prominentesten Poysdorfer Wein seit den 1950er Jahren, leiten sich nicht, wie man wohl meinen würde, vom Rüssel des Schweines ab. Es ist das Rieseln von Wasser an einem Hang gemeint, das Schweine angelockt hat.

Name für Name wird gelistet und mit einer gründlichen Erklärung versehen, inklusive mundartlicher Sprechweise, die häufig für die Deutung einen wesentlichen Beitrag leistet. Etwa 400 Namen sind untersucht worden, unter Verwendung von historischem Kartenmaterial, geschichtlicher Überlieferung und Einbeziehung von Gewährsleuten vor Ort.

Die Poysdorfer Kellerakademie, der Weinbauverein Poysdorf und die Stadtgemeinde haben das Buch im Eigenverlag herausgegeben. Und Johannes Rieder, Obmann der Kellerakademiker, hat, wie schon oft zu Weinviertel-Themen, die Anregung gegeben.

Das Buch lässt uns erahnen, wie viele Schätze in den Weiten der Weinviertler Rieden noch ungehoben sind. Es wäre wünschenswert, wenn Frau Arnberger, auch Autorin vom „Weinwörterbuch“ (2012) und „Flurnamen erzählen. Über die Riednamen aus den Weinbaugebieten Wachau, Kremstal und Kamptal“ (2017) weitere Aufträge erhalten (und hoffentlich annehmen) würde.

RE

Die Donauwiese.

9. Juli 2019

Mathias MARSCHIK: Die Donauwiese. Das Inundationsgebiet – Ein verschwundenes Wiener Wahrzeichen

120 Seiten mit zahlreichen Abbildungen

Edition Winkler-Hermaden, 2019.

ISBN 978-3-9504625-8-6  EURO 21,90

http://www.edition-wh.at/

Der Historiker und Kulturwissenschaftler Mathias Marschick präsentiert auf 118 Seiten eine bemerkenswerte Auswahl an Altfotos vom Wiener Inundationsgebiet und damit Wiener Kultur- und Sozialgeschichte.

Das Inundationsgebiet, auch Überschwemmungsgebiet oder Donauwiese genannt, dienteDonauwieseMarschik07.07.2019 primär als Hochwasserschutz. In den Jahren 1870-1875 wurde die Donau im Raum Wien reguliert, das heißt aus dem vielarmigen alten Donaubett wurde ein einziges 285 Meter breites Flussbett angelegt. Daneben entstand die ebenso breite Donauwiese, ein unverbauter Raum, der die jährlichen Hochwässer der Donau aufnehmen sollte um Überflutungen im bebauten Stadtgebiet zu vermeiden.

Und damit erhielten die Wiener ein vielbenutztes Naherholungsgebiet, das zum Spazieren, Baden, Fußballspielen oder Radfahren taugte. Nach jedem Hochwasser war es verändert und bot neuen Raum für die Freizeit der Wiener. Tagsüber war der Aufenthalt wohl unbeschwert, nach Einbruch der Dunkelheit verblieben eher die Halbwelt und die vom Alkohol niedergestreckten Wiener auf der Donauwiese.

Das Bildmaterial ist abwechslungsreich und wird in mehrere Kapitel gruppiert, jedem Kapitel ist ein informativer kurzer Text vorangesetzt. Neben dem Phänomen der Freizeitkultur wird der Aspekt der Landschaft selbst gewürdigt, es werden Katastrophen und Naturereignisse wie Reichsbrückeneinsturz und der Eisstoß des Jahres 1929 gezeigt. Von Schiffen, Brücken und vergessenen Überfuhren wird berichtet sowie von ungewöhnlichen Nutzungen: Ein Teil der Donauwiese diente in den 1920er Jahren als Flugplatz, wo Linienflüge nach Budapest oder Prag starteten.

Die Ära des Überschwemmungsgebiets dauerte etwa hundert Jahre, dann wurde sie in den 1970er Jahren durch die Donauinsel und die Neue Donau ersetzt. Und hier kommt die einzige Kritik an diesem Buch: Ich hätte mir jeweils ein Davor(vor der ersten Regulierung 1870) – und Danach Bild (Neue Donau ab 1987) im Vergleich gewünscht. Und/Oder eine kartografische Skizze, die auch nicht ganz Ortskundigen einen Überblick über die wichtigsten Orientierungspunkte gegeben hätte. Aber das ist Jammern auf höherem Niveau, denn es ist ein wunderbares Buch!

HD

Dorfgeschichten mit Geschichte.

7. Juli 2019

WEINVIERTLER MUSEUMSDORF NIEDERSULZ GmbH: Dorfgeschichten mit Geschichte. Festschrift zum Jubiläum 40 Jahre Weinviertler Museumsdorf Niedersulz.

Eigenverlag, Niedersulz 2019.

ISBN 978-3-9504468-5-2   EURO 9,90

https://www.museumsdorf.at/

 

Wie funktioniert ein Freilichtmuseum? Welches Konzept und welche Geschichte stecken hinter dem Weinviertler Museumsdorf Niedersulz? Welche Projekte werden derzeit und in Zukunft umgesetzt?

Der Sammelband „Dorfgeschichten mit Geschichte“ setzt sich unter anderem mit diesenDorfgeschichtenNiedersulz Fragen auseinander. Die Festschrift wurde anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Museumsdorfs von langjährigen Mitwirkenden verfasst. Sie versammelt Beiträge zu Freilichtmuseen im Allgemeinen, zur Geschichte und Struktur des Museums; außerdem zu seinen Gebäuden, Objekten, Gärten; zur Publikationstätigkeit, Kulturvermittlung und zur Nutzung als Veranstaltungsort. Einigen Texten, vor allem jenem der wissenschaftlichen Leiterin, Initiatorin und Mitautorin des Bandes, Veronika Plöckinger-Walenta, sind Zeitleisten zur Geschichte und zu Veranstaltungen und Publikationen des Museumsdorfs beigefügt. Diese sind sehr klar gestaltet und dienen der Übersichtlichkeit des Bandes.

Besonders betont wird das Engagement der freiwilligen MitarbeiterInnen, um deutlich zu machen wie wichtig die Unterstützung von allen Seiten für die Entstehung war und die Erhaltung ist. Hier fällt der Text des Ehrenamtlichen und Unterstützers der ersten Stunde Richard Edl über die Vereinsgeschichte und Tätigkeiten vor der Übernahme durch das Land Niederösterreich mit seiner erzählerischen Schreibweise auf. Er schildert gerafft, mit persönlichen Erinnerungen versehen, die Entstehungsgeschichte und von den hinter dem Museum stehenden Idealen. In knapper Form zeichnet er ein Portrait Josef Geisslers, des Museumsgründers. Dabei zeigt sich, wie auch in vielen anderen Beiträgen, die Hauptmotivation, die dem Engagement zugrunde liegt: alte Lebensformen, traditionelle Gegenstände und Architektur zu bewahren und Ihre Potenziale für die Zukunft aufzubereiten.

In anderen Texten stehen der vermittelnde Anspruch und die wissenschaftlichen Anforderungen im Vordergrund. So erstattet Veronika Plöckinger-Walenta Bericht über Vorhaben und baugeschichtliche Hintergründe. Edeltraud Hruschka, Depotleiterin und Sammlungsverwalterin, beschreibt die Sachkultursammlung und Hilde Fröschl die für die Authentizität des Dorfes unerlässliche Begrünung des Dorfes. Tragend ist bei allen Beiträgen die reiche Bebilderung: Fotografien bäuerlicher Gegenstände, von Gebäuden, Mitwirkenden und den Gärten.

Die Übertitel sind etwas fantasiebedürftig: Freilichtmuseen / Dorfgeschichte / Das Dorf / Dorfleben. Den Zusammenhang mit den Beiträgen müssen sich die LeserInnen wohl oft erst zusammenreimen. Für die Lektüre ist dies allerdings nicht störend. Die Auflistungen von Projekten und die Zeitleisten wären als eigenes hinten stehendes Kapitel geeigneter gewesen. Und, da der Fokus besonders am Engagement Mitwirkender liegt, wäre eine Liste freiwilliger MitarbeiterInnen sowie biografische Eckdaten zu Josef Geissler im Anhang naheliegend gewesen. Die Autorin Hilde Fröschl fehlt zudem bei den AutorInnenbeschreibungen hinten im Band.

Der äußerlich wie inhaltlich gewinnende Band mit seinen vielen Bildern und dem übersichtlichen Querschnitt über die Museumstätigkeiten der letzten Jahrzehnte ist gemeinhin gelungen. Neue und erfahrene BesucherInnen finden darin einen spannenden Überblick und einen Anreiz, das Museumsdorf (neu) kennenzulernen. (Ehemaligen) Mitwirkenden gibt er wiederum die Möglichkeit sich zu erinnern und die letzten 40 Jahre wie mit einem Fotoalbum Revue passieren zu lassen.

RD

Verschwundenes Marchfeld.

14. April 2019

Karl ZELLHOFER: Verschwundenes Marchfeld. Mit Gedanken von Gottfried Laf Wurm.

96 Seiten mit zahlreichen Abbildungen

Edition Winkler-Hermaden, 2019.

ISBN 978-3-9504720-1-1  EURO 16,90

http://www.edition-wh.at/

 

Vater und Sohn Zellhofer sind 2014 hervorgetreten mit der Monografie über die Eisenbahnstrecke Korneuburg-Ernstbrunn „Über den Weinviertler Semmering“, 2016 ist der Foto- und Interviewband „Verschwundenes Weinviertel. Über Greißler und Wirtshäuser, Kinos und Schulen, Bahnhöfe und Ziegelwerke, die es nicht mehr gibt“ gefolgt.

Jetzt legt Vater Karl Zellhofer den Ergänzungsband „Verschwundenes Marchfeld“ vor. In bewährter Manier macht er sich mit dem Fotoapparat auf die Pirsch kreuz und quer durch das Marchfeld. Dieses Mal ist es (leider) ausschließlich ein Fotoband geworden, Text zu dem reichlichen Material gibt es nicht.

Im Untertitel heißt es „Mit Gedanken von Gottfried Laf Wurm“, der eine köstliche Geschichte über eine Gendarmenvilla in Lassee erzählt, die gegenüber seinem Wohn- und Atelierhauses gestanden ist. Wurm ist nicht nur ein ausgezeichneter Maler und Grafiker, er erzählt auch sehr unterhaltsam http://www.lafwurm.at/.

Daraus ist eine attraktive Mischung entstanden, die die fehlende Recherche zu der Fotofeldforschung zumindest zum Teil aufwiegt.

Winkler-Hermaden verlegt in ungebrochenem Elan Weinviertel-Themen mit ganz unterschiedlichen Ansätzen, immer aber wertvoll und als Herzeigereihe für die Region mittlerweile unentbehrlich.

RE

Sterzfresser und Gnackwetzer.

2. Dezember 2018

Michael STARIBACHER, Christian WIESINGER: Sterzfresser und Gnackwetzer. Lexikon der Weinviertler Orts-Spitznamen.

Mit 18 Zeichnungen von Thomas Wolf

144 Seiten. Hardcover

Edition Winkler-Hermaden, 2018.

ISBN 978-3-9504625-4-8  EURO 19,90

http://www.edition-wh.at/

Es ist ein Schatz, der da gehoben wurde. Orts-Spitznamen sind eine Eigenart im STARIBACHER,WIESINGER Sterzfresser26.11.2018Weinviertel, die fast überall vorgefunden werden kann. Die Dörfer haben im Laufe der Jahrhunderte ihren Nachbarn Spitznamen gegeben, die oft in nicht sehr schmeichelhafter Form Begebenheiten und Besonderheiten auf den Punkt bringen. Dementsprechend konnte die Nennung eines Spitznamens bei Kirtagen zu heftigen Raufereien zwischen den Burschen der Nachbardörfer führen.

Michael Staribacher und Christian Wiesinger haben die aufwändige Recherche übernommen, flächendeckend für das Weinviertel diese „Kosenamen“ zu erkunden und, wenn möglich, die Geschichte dazu aufzuzeichnen. Manches ist in der Regionalliteratur zu finden, viel mehr musste jedoch der mündlichen Überlieferung abgelauscht werden. Zahlreiche Gewährsleute konnten gewonnen werden, Hinweise zu liefern. In über der Hälfte der Weinviertler Orte sind die beiden fündig geworden, etwa 300 Spitznamen wurden aufgezeichnet. Es mangelt nicht an Unterhaltungswert. Die Sammlung stellt ein Destillat Weinviertler Humors dar, das gleichzeitig auch viel Dorfgeschichte bewahrt. „Die Walderdbeeren unter den Früchten der Sprache“ nennt Staribacher die Kollektion.

Die zwei Wortsammler beobachten auch einen neuen Umgang mit den „Ehrentiteln“.  Viele Ortschaften haben ihre Spitznamen mittlerweile positiv besetzt und in die touristische Selbstdarstellung einfließen lassen. Der Spitzname für die Bewohner meines Heimatdorfs Altlichtenwarth etwa lautet „Wuchtelpracker“. Während er in meiner Kindheit nicht genannt werden durfte, ist in den letzten Jahren mehrfach das Fest „Wein und Wuchtel“ ausgerichtet worden, bei dem auch die Wuchtel zu haben sind.

Die Großkruter haben an allen Ortseinfahrten das Schild „Die Kruter ham…“ aufgehängt, dessen tieferen Sinn uns das Team Staribacher/Wiesinger ebenso verrät wie den Hintergrund zu „Sterzfressern“ und „Gnackwetzern“. Eine wertvolle Spurensicherung der vergnüglichen Art, bei der erstmals eine Gesamterfassung angestrebt wurde. Die Sammlung ist nicht vollständig, um weitere Hinweise wird gebeten.

RE

Die dunklen Jahrhunderte des Weinviertels.

27. November 2018

Ernst LAUERMANN: Die dunklen Jahrhunderte des Weinviertels. Von Germanen, Hunnen und Awaren bis zu den früheren Babenbergern.

Unter Mitarbeit von Renate Heger

132 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Hardcover

Edition Winkler-Hermaden, 2018.

ISBN 978-3-9504457-4-5  EURO 19,90

http://www.edition-wh.at/

Ernst Lauermann, mittlerweile pensionierter Leiter des MAMUZ und LandesarchäologeLauermannDieDunklenJahrhunderte03.11.2018 von Niederösterreich, legt jetzt den zweiten Band der archäologischen Bestandsaufnahme des Weinviertles vor. Nach Band 1 „Archäologie des Weinviertels. Von den Steinzeitjägern bis zu den Kelten“ schließt er in Band 2 mit „Germanen, Hunnen und Awaren bis zu den frühen Babenbergern“ an. Damit bietet er uns Weinviertler Archäologiegeschichte der Völkerwanderungszeit. Teil davon sind auch Römer, Slawen und Magyaren. Unter Mitarbeit von Renate Heger durchforstet er die Grabungsfunde, die seit dem Beginn der archäologischen Erkundung des Weinviertels im späten 19. Jahrhundert zu Tage getreten sind. Sehr hilfreich dabei ist die Einbettung der Darstellung in die „große“ Geschichte.

Lauermann und Heger arbeiten gründlich, manches ist unter Lauermanns Mitwirkung ergraben worden. Der unbedarften Leserin eröffnet sich eine Welt über einen Zeitraum von etwa 1000 Jahren, die unter dieser Perspektive noch nicht dargestellt worden ist. Die wechselvolle Abfolge von kurzlebigen Reichen und kriegerischen Einfällen ist oft verwirrend. Es ist nicht leicht, die Völkerschaften, die über die Region gezogen sind, auseinander zu halten. Der Leser staunt über die Reichhaltigkeit, die der Weinviertler Boden an Zeugnissen freigegeben hat.

Die Edition Winkler-Hermaden hat neuerlich einen Mix aus Text und Abbildung gefunden, der die Lesbarkeit fördert und genug Bildvergnügen liefert. Kritisch möchte ich anmerken: Über die Mitarbeiterin, Frau Renate Heger, erhalten wir gar nichts an Hintergrundinformation.

RE

Das alte Pirawarth und Kollnbrunn in früherer Zeit.

29. September 2018

Oliver ÖSTERREICHER: Das alte Bad Pirawarth und Kollnbrunn in früherer Zeit

96 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Hardcover

Edition Winkler-Hermaden, 2018.

ISBN 978-3-9504475-8-3   EURO 16,95

http://www.edition-wh.at/

Bad Pirawarth ist einen Band wert in der mittlerweile reichhaltigen Reihe von BadPirawarthÖsterreicher20.09.2018Bildbänden über Orte der Region. Der Kurort mit seiner besonderen Geschichte ist dank der Sammeltätigkeit engagierter Bewohner gut dokumentiert. Das reichhaltige Bildmaterial bietet einen aufschlussreichen Einblick in den Kurbetrieb, der seine Anfänge bereits im Mittelalter hatte. Einen Höhepunkt gab es in der Biedermeierzeit, als sich auch Erzherzogin Sophie, die Mutter Kaiser Franz Josefs, hier zur Kur aufhielt. Noch hundert Jahre später gab es das Sophienzimmer zum Andenken an den prominenten Gast. Noch in den 1920er Jahren verzeichnete Pirawarth bis zu 15.000 Nächtigungen pro Jahr. Nach dem zweiten Weltkrieg kam der Kurbetrieb zum Erliegen. Der Neuanfang gelang mit der Eröffnung des Rehabilitationszentrums 1998, das an die große Tradition anschließt und dem Ort einen wichtigen Arbeitgeber beschert.

Die Geschichte von Kollnbrunn, Nachbarort und Katastralgemeinde von Pirawarth, ist geprägt von der Lage an der vor Zeiten der Autobahn viel befahrenen Brünnerstraße. Fluch und Segen der exponierten Lage gehören mittlerweile der Vergangenheit an. Ein bemerkenswertes Bild zeigt das Mauthaus mit Schranken um 1900. Weitere Motive liefern der Weinbau und Dorfansichten. Eine Rarität ist wohl ein Foto vor 1850, also aus der Frühzeit der Fotografie, von der Getreideernte. Der Autor, Oliver Österreicher, liefert kundige Bildtexte, die erst die Erschließung der Bildquellen ermöglichen. Dem Verlag neuerlich ein großes Kompliment zu der Reihe, die das Netz an Ortsdarstellungen erfreulicherweise enger knüpft.

RE

Vom Weinviertel nach Stalingrad.

27. Januar 2018

Michael GURSCHKA: Vom Weinviertel nach Stalingrad. 1930 bis März 1943

Unter Mitwirkung von Franz Scherzer

240 Seiten, gebunden

Kral-Verlag, 2017

ISBN 978-3-99024-728-0   EURO 39,90

http://www.kral-verlag.at/

www.facebook.com/KralverlagBerndorf

Michael Gurschka hat ein erstaunliches Buch vorgelegt. Er verfolgt die Geschichte vonGurschkaWeinviertelStalingrad16.1.2018 etwa 600 Weinviertler Soldaten, zum Teil schon in der Ersten Republik und vor allem im Zweiten Weltkrieg bis zum Fall von Stalingrad. Der Autor ist Offizier des österreichischen Bundesheeres und hat seine Wurzeln in Schrattenberg im nordöstlichen Weinviertel. Aus Schrattenberg rekrutiert er fast alle Kriegsteilnehmer, darüber hinaus Weinviertler aus der näheren und weiteren Umgebung. Deren Schicksale recherchiert er auf minutiöse Weise. Über Jahre hat er aus Briefen, Fotomaterial, Zeitzeugengesprächen etc. persönliche Puzzlesteine zusammengetragen und mit der Militärgeschichte des Zeitraums 1930 bis 1943 verbunden. Vereinzelt sind Soldaten der Ersten Republik dokumentiert, die nahtlos in die Deutsche Wehrmacht eingegliedert wurden. Penibel korreliert er die Einsätze der Soldaten mit dem Kriegsverlauf und liefert den entsprechenden militärhistorischen Kontext der jeweiligen Frontabschnitte. Damit entsteht ein sehr konkretes Bild einer Soldatenbiografie in der Deutschen Wehrmacht, wie es unzählige gegeben hat  – meist kaum dokumentiert. Gurschka kommentiert nicht, er zeichnet die Lebenswege präzise und gut belegt nach und kommentiert diese nicht zusätzlich. Den Weltkrieg aus Schrattenberger Perspektive darzustellen ist in diesem konsequenten Ansatz für das Weinviertel einmalig und ermöglicht uns, zu begreifen, worüber die Großväter und ihre Generation aus dem Dorf kaum gesprochen haben. An die Lesenden werden erhebliche Anforderungen gestellt, über den ziemlich mühsamen Militärjargon hinweg an den Kern der Arbeit vorzudringen. Aber die Mühe lohnt sich.

RE

Weinviertler Kellerleben. Texte und Bilder.

10. Dezember 2017

Wolfgang PAAR, Johannes RIEDER: Weinviertler Kellerleben. Texte und Bilder, gesammelt und herausgegeben von den Kellergassenführern Wolfgang Paar und Johannes Rieder

132 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Hardcover

Als Beilage eine Audio-CD

Edition Winkler-Hermaden, 2017.

ISBN 978-3-9504475-2-1   EURO 24,95

http://www.edition-wh.at/

Zwei hochaktive Kellergassenführer, Wolfgang Paar und Johannes Rieder, haben RiederPaarWeinviertlerKellerleben19.11.2017zusammengetragen, was es an Literatur zum Thema Kellergasse gibt. Dazu gehören etwa Betrachtungen des Hintaus-Philosophen Martin Neid, Gedichte von Theodor Kramer, Texte des Polt-Erfinders und Weinviertelbotschafters Alfred Komarek, ein Weinviertel-Manifest des Schüttkünstlers Hermann Nitsch und noch vieles mehr, Bekanntes und Unbekanntes. Es geht um die Absicht, die Einmaligkeit der Weinviertler Kellergassen nicht nur als architektonische Besonderheit zu sehen, sondern auch der emotionalen Verbundenheit der Weinviertler_innen – historisch und gegenwärtig – nachzuspüren. Der Umgang mit dem für die Weinbereitung funktionslos gewordenen Erbe, das Aufzeigen des noch vorhandenen Traditionsgehalts, die Faktoren Lebensqualität und Tourismus als Zunkunftsoption: in Kapiteln wie „Reiz der Kellergasse“, „Liebe zur Kellergasse“, „Gastfreundschaft“ und „Zum Schmunzeln“ wird das Thema den Leser_innen mit Augenzwinkern nahegebracht. Dazu gibt es reiches Bildmaterial bis zurück ins 18. Jahrhundert, das uns zu einer Kellerpartie einlädt, die den Gusto auf Grünen Veltliner, Brettljause und Sitzen unterm Nussbaum dringlich werden läßt. Die beigelegte Audio-CD bietet quasi die akustische Beerenauslese als Abrundung.

RE