Sterzfresser und Gnackwetzer.

2. Dezember 2018

Michael STARIBACHER, Christian WIESINGER: Sterzfresser und Gnackwetzer. Lexikon der Weinviertler Orts-Spitznamen.

Mit 18 Zeichnungen von Thomas Wolf

144 Seiten. Hardcover

Edition Winkler-Hermaden, 2018.

ISBN 978-3-9504625-4-8  EURO 19,90

http://www.edition-wh.at/

Es ist ein Schatz, der da gehoben wurde. Orts-Spitznamen sind eine Eigenart im STARIBACHER,WIESINGER Sterzfresser26.11.2018Weinviertel, die fast überall vorgefunden werden kann. Die Dörfer haben im Laufe der Jahrhunderte ihren Nachbarn Spitznamen gegeben, die oft in nicht sehr schmeichelhafter Form Begebenheiten und Besonderheiten auf den Punkt bringen. Dementsprechend konnte die Nennung eines Spitznamens bei Kirtagen zu heftigen Raufereien zwischen den Burschen der Nachbardörfer führen.

Michael Staribacher und Christian Wiesinger haben die aufwändige Recherche übernommen, flächendeckend für das Weinviertel diese „Kosenamen“ zu erkunden und, wenn möglich, die Geschichte dazu aufzuzeichnen. Manches ist in der Regionalliteratur zu finden, viel mehr musste jedoch der mündlichen Überlieferung abgelauscht werden. Zahlreiche Gewährsleute konnten gewonnen werden, Hinweise zu liefern. In über der Hälfte der Weinviertler Orte sind die beiden fündig geworden, etwa 300 Spitznamen wurden aufgezeichnet. Es mangelt nicht an Unterhaltungswert. Die Sammlung stellt ein Destillat Weinviertler Humors dar, das gleichzeitig auch viel Dorfgeschichte bewahrt. „Die Walderdbeeren unter den Früchten der Sprache“ nennt Staribacher die Kollektion.

Die zwei Wortsammler beobachten auch einen neuen Umgang mit den „Ehrentiteln“.  Viele Ortschaften haben ihre Spitznamen mittlerweile positiv besetzt und in die touristische Selbstdarstellung einfließen lassen. Der Spitzname für die Bewohner meines Heimatdorfs Altlichtenwarth etwa lautet „Wuchtelpracker“. Während er in meiner Kindheit nicht genannt werden durfte, ist in den letzten Jahren mehrfach das Fest „Wein und Wuchtel“ ausgerichtet worden, bei dem auch die Wuchtel zu haben sind.

Die Großkruter haben an allen Ortseinfahrten das Schild „Die Kruter ham…“ aufgehängt, dessen tieferen Sinn uns das Team Staribacher/Wiesinger ebenso verrät wie den Hintergrund zu „Sterzfressern“ und „Gnackwetzern“. Eine wertvolle Spurensicherung der vergnüglichen Art, bei der erstmals eine Gesamterfassung angestrebt wurde. Die Sammlung ist nicht vollständig, um weitere Hinweise wird gebeten.

RE

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Die dunklen Jahrhunderte des Weinviertels.

27. November 2018

Ernst LAUERMANN: Die dunklen Jahrhunderte des Weinviertels. Von Germanen, Hunnen und Awaren bis zu den früheren Babenbergern.

Unter Mitarbeit von Renate Heger

132 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Hardcover

Edition Winkler-Hermaden, 2018.

ISBN 978-3-9504457-4-5  EURO 19,90

http://www.edition-wh.at/

Ernst Lauermann, mittlerweile pensionierter Leiter des MAMUZ und LandesarchäologeLauermannDieDunklenJahrhunderte03.11.2018 von Niederösterreich, legt jetzt den zweiten Band der archäologischen Bestandsaufnahme des Weinviertles vor. Nach Band 1 „Archäologie des Weinviertels. Von den Steinzeitjägern bis zu den Kelten“ schließt er in Band 2 mit „Germanen, Hunnen und Awaren bis zu den frühen Babenbergern“ an. Damit bietet er uns Weinviertler Archäologiegeschichte der Völkerwanderungszeit. Teil davon sind auch Römer, Slawen und Magyaren. Unter Mitarbeit von Renate Heger durchforstet er die Grabungsfunde, die seit dem Beginn der archäologischen Erkundung des Weinviertels im späten 19. Jahrhundert zu Tage getreten sind. Sehr hilfreich dabei ist die Einbettung der Darstellung in die „große“ Geschichte.

Lauermann und Heger arbeiten gründlich, manches ist unter Lauermanns Mitwirkung ergraben worden. Der unbedarften Leserin eröffnet sich eine Welt über einen Zeitraum von etwa 1000 Jahren, die unter dieser Perspektive noch nicht dargestellt worden ist. Die wechselvolle Abfolge von kurzlebigen Reichen und kriegerischen Einfällen ist oft verwirrend. Es ist nicht leicht, die Völkerschaften, die über die Region gezogen sind, auseinander zu halten. Der Leser staunt über die Reichhaltigkeit, die der Weinviertler Boden an Zeugnissen freigegeben hat.

Die Edition Winkler-Hermaden hat neuerlich einen Mix aus Text und Abbildung gefunden, der die Lesbarkeit fördert und genug Bildvergnügen liefert. Kritisch möchte ich anmerken: Über die Mitarbeiterin, Frau Renate Heger, erhalten wir gar nichts an Hintergrundinformation.

RE

Das alte Pirawarth und Kollnbrunn in früherer Zeit.

29. September 2018

Oliver ÖSTERREICHER: Das alte Bad Pirawarth und Kollnbrunn in früherer Zeit

96 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Hardcover

Edition Winkler-Hermaden, 2018.

ISBN 978-3-9504475-8-3   EURO 16,95

http://www.edition-wh.at/

Bad Pirawarth ist einen Band wert in der mittlerweile reichhaltigen Reihe von BadPirawarthÖsterreicher20.09.2018Bildbänden über Orte der Region. Der Kurort mit seiner besonderen Geschichte ist dank der Sammeltätigkeit engagierter Bewohner gut dokumentiert. Das reichhaltige Bildmaterial bietet einen aufschlussreichen Einblick in den Kurbetrieb, der seine Anfänge bereits im Mittelalter hatte. Einen Höhepunkt gab es in der Biedermeierzeit, als sich auch Erzherzogin Sophie, die Mutter Kaiser Franz Josefs, hier zur Kur aufhielt. Noch hundert Jahre später gab es das Sophienzimmer zum Andenken an den prominenten Gast. Noch in den 1920er Jahren verzeichnete Pirawarth bis zu 15.000 Nächtigungen pro Jahr. Nach dem zweiten Weltkrieg kam der Kurbetrieb zum Erliegen. Der Neuanfang gelang mit der Eröffnung des Rehabilitationszentrums 1998, das an die große Tradition anschließt und dem Ort einen wichtigen Arbeitgeber beschert.

Die Geschichte von Kollnbrunn, Nachbarort und Katastralgemeinde von Pirawarth, ist geprägt von der Lage an der vor Zeiten der Autobahn viel befahrenen Brünnerstraße. Fluch und Segen der exponierten Lage gehören mittlerweile der Vergangenheit an. Ein bemerkenswertes Bild zeigt das Mauthaus mit Schranken um 1900. Weitere Motive liefern der Weinbau und Dorfansichten. Eine Rarität ist wohl ein Foto vor 1850, also aus der Frühzeit der Fotografie, von der Getreideernte. Der Autor, Oliver Österreicher, liefert kundige Bildtexte, die erst die Erschließung der Bildquellen ermöglichen. Dem Verlag neuerlich ein großes Kompliment zu der Reihe, die das Netz an Ortsdarstellungen erfreulicherweise enger knüpft.

RE

Vom Weinviertel nach Stalingrad.

27. Januar 2018

Michael GURSCHKA: Vom Weinviertel nach Stalingrad. 1930 bis März 1943

Unter Mitwirkung von Franz Scherzer

240 Seiten, gebunden

Kral-Verlag, 2017

ISBN 978-3-99024-728-0   EURO 39,90

http://www.kral-verlag.at/

www.facebook.com/KralverlagBerndorf

Michael Gurschka hat ein erstaunliches Buch vorgelegt. Er verfolgt die Geschichte vonGurschkaWeinviertelStalingrad16.1.2018 etwa 600 Weinviertler Soldaten, zum Teil schon in der Ersten Republik und vor allem im Zweiten Weltkrieg bis zum Fall von Stalingrad. Der Autor ist Offizier des österreichischen Bundesheeres und hat seine Wurzeln in Schrattenberg im nordöstlichen Weinviertel. Aus Schrattenberg rekrutiert er fast alle Kriegsteilnehmer, darüber hinaus Weinviertler aus der näheren und weiteren Umgebung. Deren Schicksale recherchiert er auf minutiöse Weise. Über Jahre hat er aus Briefen, Fotomaterial, Zeitzeugengesprächen etc. persönliche Puzzlesteine zusammengetragen und mit der Militärgeschichte des Zeitraums 1930 bis 1943 verbunden. Vereinzelt sind Soldaten der Ersten Republik dokumentiert, die nahtlos in die Deutsche Wehrmacht eingegliedert wurden. Penibel korreliert er die Einsätze der Soldaten mit dem Kriegsverlauf und liefert den entsprechenden militärhistorischen Kontext der jeweiligen Frontabschnitte. Damit entsteht ein sehr konkretes Bild einer Soldatenbiografie in der Deutschen Wehrmacht, wie es unzählige gegeben hat  – meist kaum dokumentiert. Gurschka kommentiert nicht, er zeichnet die Lebenswege präzise und gut belegt nach und kommentiert diese nicht zusätzlich. Den Weltkrieg aus Schrattenberger Perspektive darzustellen ist in diesem konsequenten Ansatz für das Weinviertel einmalig und ermöglicht uns, zu begreifen, worüber die Großväter und ihre Generation aus dem Dorf kaum gesprochen haben. An die Lesenden werden erhebliche Anforderungen gestellt, über den ziemlich mühsamen Militärjargon hinweg an den Kern der Arbeit vorzudringen. Aber die Mühe lohnt sich.

RE

Weinviertler Kellerleben. Texte und Bilder.

10. Dezember 2017

Wolfgang PAAR, Johannes RIEDER: Weinviertler Kellerleben. Texte und Bilder, gesammelt und herausgegeben von den Kellergassenführern Wolfgang Paar und Johannes Rieder

132 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Hardcover

Als Beilage eine Audio-CD

Edition Winkler-Hermaden, 2017.

ISBN 978-3-9504475-2-1   EURO 24,95

http://www.edition-wh.at/

Zwei hochaktive Kellergassenführer, Wolfgang Paar und Johannes Rieder, haben RiederPaarWeinviertlerKellerleben19.11.2017zusammengetragen, was es an Literatur zum Thema Kellergasse gibt. Dazu gehören etwa Betrachtungen des Hintaus-Philosophen Martin Neid, Gedichte von Theodor Kramer, Texte des Polt-Erfinders und Weinviertelbotschafters Alfred Komarek, ein Weinviertel-Manifest des Schüttkünstlers Hermann Nitsch und noch vieles mehr, Bekanntes und Unbekanntes. Es geht um die Absicht, die Einmaligkeit der Weinviertler Kellergassen nicht nur als architektonische Besonderheit zu sehen, sondern auch der emotionalen Verbundenheit der Weinviertler_innen – historisch und gegenwärtig – nachzuspüren. Der Umgang mit dem für die Weinbereitung funktionslos gewordenen Erbe, das Aufzeigen des noch vorhandenen Traditionsgehalts, die Faktoren Lebensqualität und Tourismus als Zunkunftsoption: in Kapiteln wie „Reiz der Kellergasse“, „Liebe zur Kellergasse“, „Gastfreundschaft“ und „Zum Schmunzeln“ wird das Thema den Leser_innen mit Augenzwinkern nahegebracht. Dazu gibt es reiches Bildmaterial bis zurück ins 18. Jahrhundert, das uns zu einer Kellerpartie einlädt, die den Gusto auf Grünen Veltliner, Brettljause und Sitzen unterm Nussbaum dringlich werden läßt. Die beigelegte Audio-CD bietet quasi die akustische Beerenauslese als Abrundung.

RE

Das alte Poysdorf.

22. November 2017

Werner KRAUS unter Mitarbeit von Egon ENGLISCH: Das alte Poysdorf und seine Katastralgemeinden in früherer Zeit.

96 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Hardcover

Edition Winkler-Hermaden, 2017.

ISBN 978-3-9504383-9-0   EURO 14,95

http://www.edition-wh.at/

Durch den Ankauf der Sparkasse Poysdorf konnte eine umfangreiche Sammlung vonPoysdorfKraus19.11.2017 Poysdorfer Altfotos und Ansichtskarten für die Öffentlichkeit bewahrt werden. Der Direktor Werner Kraus, im Nebenberuf engagierter Poysdorf-Korrespondent der Niederösterreichischen Nachrichten, hat aus „seiner“ Sammlung die Zeitreise durch „Das alte Poysdorf“ zusammengestellt und mit Bildtexten versehen. Mitgeholfen haben Egon Englisch, Kenner der Stadtgeschichte, und die Ortschronisten der Katastralgemeinden. Das Panorama an vielfältigen Ansichtskarten und Altfotos spannt sich über etwa 100 Jahre bis in die 1960er. Wir lernen viel über Poysdorfs Topographie und deren Veränderung kennen. Die historische Bedeutung des Weinbaus für die Stadt, die sich heute als „Weinstadt Österreichs“ vermarktet, ist an dem Bildmaterial klar ablesbar. Mit einer Ansichten-Sammlung, die über 400 Bilder umfasst, kann nicht nur den Gästen die „gute alte Zeit“ veranschaulicht werden. Ganz wesentlich erscheint mir der Beitrag dieses Bilderfundus zur Identifikation der Poysdorfer_innen mit ihrer Stadt.

Die Wallfahrtskirche Maria Bründl, im Ortsteil Wilhelmsdorf gelegen, und die neun Katastralgemeinden Altruppersdorf, Erdberg, Föllim, Ketzelsdorf, Kleinhadersdorf, Poysbrunn, Walterskirchen, Wetzelsdorf und Wilhelmsdorf runden, meist anhand von Ansichtskarten vor dem Zweiten Weltkrieg, die Erkundung der Großgemeinde ab.

RE

 

Das alte Laa an der Thaya

21. November 2017

Rudolf FÜRNKRANZ, Herbert JAITNER: Das alte Laa an der Thaya und seine Katastralgemeinden in früherer Zeit.

96 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Hardcover

Edition Winkler-Hermaden, 2017.

ISBN 978-3-9504383-8-3   EURO 14,95

http://www.edition-wh.at/

Die Edition Winkler-Hermaden führt die Reihe der Stadtportraits mit Altfotos beharrlichFürnkranzJaitnerAltesLaa19.11.2017 weiter. Gleich vier Bände sind im Herbst 2017 erschienen: über die Weinviertler Städte Laa an der Thaya, Poysdorf und Zistersdorf und, als Blick in die Nachbarschaft, über „Das alte Floridsdorf“, das historisch durchaus als Weinviertel gesehen werden darf.

Rudolf Fürnkranz und Herbert Jaitner sind ein bewährtes Team für „Das alte Laa an der Thaya“. Jaitner als Betreuer des Laaer Bildarchivs und Fürnkranz als erprobter Stadthistoriker bringen ein vielfältiges Bildmaterial aus dem Nachlass Laaer Fotografen und Fotografinnen sowie aus dem Fundus privater Sammlungen. Dazu gibt es kenntnisreiche Bildtexte, die an Detailreichtum unübertroffen sind. Fürnkranz kennt die Abgebildeten von Aufnahmen um 1900 genauso wie die baulichen Veränderungen bis hin zum Baumbestand, dessen Entfernung er auf das Jahr genau angeben kann. Damit kann sich der Leser auf eine Zeitreise begeben, wobei sich der Bogen über 100 Jahre von den 1860er bis in die 1960er Jahre spannt. Die Katastralgemeinden Kottingneusiedl, Hanfthal, Ungerndorf, Wulzeshofen, Pernhofen sowie die Gutshöfe Blaustauden, Ruhhof und Rothenseehof sind mit ihren Spezifika vertreten. Das handliche Format ermöglicht auch die Nutzung für unterwegs: etwa einen Stadtspaziergang zum Vorort-Vergleich oder als Material für Stadtführungen.

RE

Das alte Zistersdorf.

21. November 2017

Karl AUMANN: Das alte Zistersdorf und seine Katastralgemeinden in früherer Zeit.

96 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Hardcover

Edition Winkler-Hermaden, 2017.

ISBN 978-3-9504475-1-4   EURO 14,95

http://www.edition-wh.at/

„Das alte Zistersdorf“ wird von Karl Aumann anhand der eigenen Sammlung präsentiert.ZistersdorfAumann19.11.2017.jpg Aumann ist Sammler von Ansichtskarten und Fotos seiner Stadt seit Jahrzehnten und durchaus berufen, aufschlussreiche Bildtexte beizusteuern. Der Bildbogen spannt sich von etwa 1900 bis in die 1970er Jahre. Das Zentrum der Stadt, Kirchenplatz und Hauptstraße mit Dreifaltigkeitssäule, werden detailreich dokumentiert. Die wohl originellste Ansicht zeigt eine Schafherde, die um 1930 über den Platz getrieben wird, mit dem bemerkenswerten Hinweis, dass der Schaftrieb nur sonntags gestattet war.

Wir begeben uns mehr und mehr in die Peripherie und begegnen nicht nur der Wallfahrtskirche Maria Moos, sondern auch den Bilddokumenten aus der Frühzeit der Erdölgewinnung. Der Bildtext der Ansichtskarte „Zistersdorf, NÖ, Bohrturm“ teilt uns mit, dass am 1. September 1930 die gezeigte legendäre Sonde „Windisch Baumgarten 1a“ in 728 Meter Tiefe fündig geworden ist. Damit ist der Beginn der wechselvollen Geschichte der österreichischen Erdölgewinnung eingeläutet (siehe https://richardedl.wordpress.com/2013/12/02/oldorado-weinviertel-zur-geschichte-des-erdols-im-weinviertel/ ).

Die Katastralgemeinden Gaiselberg, Loidesthal, Großinzersdorf, Eichhorn, Gösting, Windisch Baumgarten und Maustrenk sind mit den zeittypischen Ansichtskarten, meist vor dem Zweiten Weltkrieg, vertreten.

RE

Gmundner Keramik. Schleiss Keramik. Markenführer 1866–2017.

8. November 2017

René Edenhofer: Gmundner Keramik. Schleiss Keramik. Markenführer 1866 – 2017.

Eur 29.90 (zuzügl. Eur 4.- Versandkosten innerhalb Österreichs)

Eigenverlag 2017 ISBN 978-3-9504428-0-9

http://www.gmundnerbuch.at

René Edenhofer ist seinem Thema treu geblieben. Seit fast 20 Jahren befasst er sich mitEdenhoferMarkenführerGmundner (1) Keramik, beginnend bei der Deutsch-Wagramer Kunst-Keramik, über die er 2001 seine erste einschlägige Publikation herausgebracht hat. Es folgten dann intensive Jahre mit einer Reihe von Veröffentlichungen und Ausstellungen über Wilhelmsburger Steingut und vor allem das Lilien-Porzellan, zu dessen Wiederentdeckung und heutiger Popularität er maßgeblich mit seinen Publikationen beigetragen hat. 2010 erschien sein Markenführer zur Wilhelmsburger Produktion.

René, der Wiederholungstäter, hat neuerlich einen Markenführer herausgebracht, über nichts Geringeres als das Schwergewicht der oberösterreichischen Keramikherstellung, die Gmundner Keramik. Marke meint in der Fachsprache die Kennzeichnung der Stücke mit einer Bezeichung, die den Hersteller, manchmal auch den Künstler erkennen läßt und meist am Boden angebracht ist.

Diese Zusammenstellung in ihrer zeitlichen Abfolge und in allen Verzweigungen, die der Traditionsbetrieb seit 1866 erlebt hat, ist Knochenarbeit. In jahrelanger Recherche entstand ein Standardwerk, das von 1866 bis 2017, penibel aufgelistet, insgesamt 226 Boden-, Papier- und Firmenmarken auflistet. Dabei legt er auch die verwirrende Firmengeschichte dar, von der Gründerfamilie Schleiss über ein komplexes Firmengeflecht mit Namensparallelitäten bis zur heutigen Gmundner Keramik.

Die Marken sind abgebildet und detailliert mit Varianten beschrieben, was das Büchlein zu einem unentbehrlichen Nachschlagwerk für alle Liebhaber, Sammler und Fachleute macht.

Edenhofer ist ein Autor aus Leidenschaft. Seine Keramikbegeisterung entspringt keiner beruflichen Verpflichtung. Er ist über die Jahre zum angesehenen Experten geworden und versteht es nach wie vor, ein so sperriges Thema wie ein Markenlexikon – mit qualitätvollem Bildmaterial versehen – kompetent und anschaulich zu vermitteln. Der Markenführer fügt sich nahtlos in die Reihe der Edenhofer’schen Standardwerke ein.

RE

 

Es geschah im Mostviertel.

26. Oktober 2017

Thomas HOFMANN: Es geschah im Mostviertel. Neuigkeiten und Bilder von damals.

Mit einem Vorwort von Heimo Cerny

124 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Hardcover

Edition Winkler-Hermaden, 2017

ISBN 978-3-9504383-6-9   EURO 19,90

http://www.edition-wh.at/

Es gibt wieder neue „Neuigkeiten und Bilder von damals“, und zwar – der Titel sagt es HofmannEsgeschaMostviertel.jpgschon – aus dem Mostviertel. Nach dem Weinviertel in zwei Bänden („Es geschah im Weinviertel. Östliches Weinviertel und Marchfeld.“ „Es geschah im westlichen Weinviertel.“) und dem Waldviertel („Es geschah im …“) wendet sich die Reihe dem Mostviertel zu, um dann, so ist der Plan, mit dem vierten Viertel des Landes, dem Industrieviertel, zu schließen.

Hofmann hat sich wieder in den Zeitungen und Zeitschriften von den 1850er Jahren bis in die 1930er Jahre umgesehen und in bewährter Weise eine Unzahl von Geschichten zu Tage gebracht. Es geht um Kaiser Franz Joseph und Victor Adler, um Klöster, deren es im Mostviertel so viele gibt wie in keinem anderen Landesviertel, um Räuber und Mörder, Naturkatastrophen und Alltagsfreuden.

Und es geht um Bergtouristen und Skifahrer, deren Pionier, Mathias Zdarsky, ein Lilienfelder war und am Muckenkogel das erste „Skiwettfahren“ der Geschichte veranstaltet hat. „Die Fahrstrecke, mit roten Fahnen bezeichnet, muß eingehalten werden. .. Die Dame und der Herr, welche die Fahrstrecke in kürzester Zeit vorschriftsmäßig zurücklegen, bekommen als Andenken ein in Silber ausgeführtes..Skifahrerrelief“ kündigt das „Neue Wiener Tagblatt“ am 15. März 1905 das am darauffolgenden Sonntag stattfindende Rennen an.

An Kurzweiligkeit mangelt es der Lektüre nicht und die Bebilderung ist wieder äußerst stimmig. Jedem Beitrag ist eine Abbildung beigegeben, die aus der Zeit stammt und die athmosphärisch, manchmal sogar punktgenau den Text illustriert. Hofmann und Winkler-Hermaden haben ein Gustostückel geliefert, dem zu wünschen ist, dass es im Mostviertel, das im Verlagssortiment noch wenig vertreten ist, viel Resonanz findet.

RE