Das fliegende Motorrad

10. Dezember 2021

René EDENHOFER: Das fliegende Motorrad. 1925-1929. Die Schwingenflug-Konstruktion von Karl Cerny

Fester Einband, 108 Seiten, zahlreiche Abbildungen

Verlagsbuchhandlung Brüder Hollinek, Purkersdorf 2021

ISBN 978-3-85119-386-2

Euro 37,34

https://www.lovelybooks.de/autor/Rene-Edenhofer/Das-fliegende-Motorrad-3225208474-w/


René Edenhofer arbeitet sich in der jüngsten Publikation an einem Sonderling ab, der grandios an einer wunderlichen Idee scheitert. Schon die zuletzt vorgelegten Recherche über die Gründungsphase des Hagenbundes hat die Vorliebe des Autors zur originellen Nische erkennen lassen. Nach Standardwerken zu Lilienporzellan und Wilhelmsburger Keramik ist Neues auf dem Programm.

Karl Cerny, ein Lehrer aus Herzogenburg, verfolgt einen Lebenstraum, der gerade in den 1920er Jahren immer noch die Fantasie beflügelt. Cerny wollte ein Ein-Personen-Flugobjekt konstruieren, das nach dem Prinzip des Vogelflugs funktioniert. Die Flügel sollten also schwingen wie die eines Vogels und nicht starr sein wie bei den „Drachenfliegern“, wie die herkömmlichen Flugzeuge mit starren Flügeln von Cerny abschätzig bezeichnet wurden.

Cerny steckt alle Energie und Mittel in dieses Ziel. Es wird die „Gesellschaft der Schwingenflieger“ gegründet, es werden Patente angemeldet, die Presse mit Aussendungen versorgt. Ständig wird mit einigen wackeren Getreuen an der Konstruktion gearbeitet. Das „fliegende Motorrad“, wie die bevorstehende Revolution des Fliegens genannt wird, ist immer „fast fertig“, wenn die Presse nachfragt. Und „fast fertig“ ist es bis zum Tod des Erfinders geblieben.

Das „Motorrad“ hat nie abgehoben. Den „Schwingenfliegern“ ist das Geld ausgegangen, eine Zeitschrift mit fantastischen Versprechungen und nachdrücklichem Aufruf um Finanzierung finden immer weniger Resonanz. Als das Scheitern nicht mehr abzuwenden ist, begeht Cerny in einer dramatischen Inszenierung Selbstmord.

Edenhofer recherchiert penibel. Er gräbt eine unglaubliche Fülle an Material über fünf Jahre besessenem Festhalten an einer Seifenblase aus. Auch wenn die  Zukunft anders gekommen ist, hat dieses Verranntsein in eine Idee viel Beispielhaftes in sich. Was sich hier als Spinnerei eines Uneinsichtigen darstellt, ist für das Fortkommen der Welt unabdingbar. Es braucht die Spinner, die gegen den Strich Neues erproben. Und damit steht es allemal dafür, die Spuren des gescheiterten Daniel Düsentrieb nach zu zeichnen.

RE


Links:

Hagen-Gesellschaft.

Gmundner Keramik. Schleiss Keramik. Markenführer 1866–2017.

Militaria auf Keramik.

Uhrblätter der Wilhelmsburger Steingut-Fabrik.

Daisy. Liebling der Massen.

Weinviertler Weisheiten

5. Dezember 2021

Michael Staribacher: Weinviertler Weisheiten. Sprüche und Redewendungen, gesammelt von Michael Staribacher. Mit Zeichnungen von Rudolf Schuppler

Edition Winkler-Hermaden, 2021

136 Seiten, Hardcover

ISBN 978-3-9504937-3-3

Euro 18.-

www.edition-wh.at


Es ist eine großartige Unternehmung, die Sprüche und Redewendungen des Weinviertels zu sammeln. Die überschlagsmäßig an die 400 Spruchweisheiten sind ein Schatz, der gerade noch rechtzeitig gehoben wurde. Die Leser*innen dürfen sich von der Fülle überwältigen lassen. Von tiefsinnig über humorvoll bis gottergeben und sehr deftig spannt sich der Bogen.

Den gelernten Weinviertler*innen öffnet sich das Herz – mir kommen die Sprecher*innen meiner Kindheit in den Sinn: die Mutter, die Großeltern und die vielen Dorfbewohner*innen. Bei „Die besten Ross wern zuerscht auf’d Hiaf hin“ (Die besten Rösser gehen zuerst an den Hufen kaputt) habe ich den angeheiterten Huiwer Lepold noch im Ohr.Er stellte sich in eine Reihe mit den Besten, als er mit unsicherem Schritt vom Weinkeller den Heimweg antrat. Der Grund war wohl weniger sein mit orthopädischem Schuhwerk versorgtes Fußleiden.

Die Mundart wird im Zeitalter von Internet, sozialen Medien und Globalisierung auf einen sprachlichen Mix eingeschliffen, der Regionales aufnimmt und neu mischt. Michael Staribacher bewahrt mit der Sammlung die versinkende Welt des alten Weinviertler Dorfes, wie sie die hiesige, sogenannte Ui-Mundart überliefert, für die Zukunft.

Das Weinviertel hat an seinen Überlieferungen zäher und ausdauernder festgehalten als andere Regionen, vielfach ohne es selbst bewußt wahrzunehmen. Der Modernisierungsdruck der Nachkriegszeit hat die Region erst spät erreicht. Auf Grund wirtschaftlicher Randlage, die eine konservierende Wirkung hatte, und trotz geringer Wertschätzung ist die Überlieferung erstaunlich reichhaltig.

Das gilt etwa für die dörfliche Architektur, die mit dem Museumsdorf Niedersulz und den Aktivitäten um Kellergassen und Stadeln erst in den letzten zwei Jahrzehnten Jahren wirklich wahrgenommen wurde. Heute sind daraus Weinviertler Markenzeichen geworden, die das touristische Profil geformt haben. Genauso verhält es sich mit der Mundart als Trägerin regionaler Besonderheit.

Staribacher ist Wörter- und Sprüchesammler seit Jahrzehnten. Wie bereits in seinem Weinviertler Mundartlexikon, das mehrere Auflagen erlebt hat und erstmals 2003 erschien, destilliert er aus der Mundart unglaubliche Schätze. Das Weinviertel ist gerade intensiv dabei, sich neu zu entdecken, und Staribacher liefert den Rohstoff.

„Ma wiad z’fria oid und z’schpod gscheit“ (Man wird zu früh alt und zu spät gescheit) – dem wirkt dieses Büchlein resolut entgegen. Staribachers Meilenstein wird von Rudolf Schuppler amüsant illustriert und die Edition Winkler-Hermaden bietet das bewährte Vehikel dafür.

RE


Mehr von Michael Staribacher

Weinviertler Dialektlexikon. Band 2.

Josef Krickl. Walzerkönig.

Sterzfresser und Gnackwetzer.

Hintaus bei den Stadeln

Donaustädter Attraktionen

12. November 2021

Gabriele Dorffner, Matthias Marschik: Donaustädter Attraktionen. Der 22. Wiener Gemeindebezirk – Bilder aus seiner Geschichte
Edition Winkler-Hermaden, 2021
112 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Hardcover
ISBN 978-3-9519804-6-1
Euro 18,90
http://www.edition-wh.at


In einem etwa hundertseitigen Fotoalbum mit historischen Ansichten zeigen die AutorInnen die sperrigen Attraktionen eines Bezirks, der gemeinsam mit Floridsdorf gemeinhin als Transdanubien bezeichnet wird und einen eigenen Wiener Lebensraum darstellt.
In der Einleitung wird versucht, diesen zu beschreiben – er sei unterschiedlich im Vergleich zu anderen Bezirken Wiens und biete keine typischen sondern einfach andere Sehenswürdigkeiten und bilde, wie sonst nirgends in Wien, die Verbindung zwischen Großstadt und Land. Die Trennung von Transdanubien in zwei Bezirke, nämlich Floridsdorf und Donaustadt, erfolgte erst 1939.
Die AutorInnen führen uns zunächst über die Reichsbrücke, dem ehemals einzigen Eintrittsort in die heutige Donaustadt, nach Kaisermühlen. Dann besuchen wir Kagran und alle anderen ehemaligen Dörfer, die zum Bezirk Donaustadt zusammengewachsen sind: Hirschstetten, Stadlau, Süßenbrunn, Aspern, Essling und Breitenlee. Schlussendlich machen wir einen Abstecher in die Lobau und zurück in die City, wo sich mit der Aspernbrücke oder der Esslinggasse die Donaustadt auch ins Herz der Stadt eingeschrieben hat.
Die einzelnen Kapitel sind mit einer kurzen historischen Übersicht und die einzelnen Bilder mit erklärenden Bilduntertiteln versehen. Die LeserIn kann bequem anhand der historischen Fotos durch ein unbekanntes Wien reisen, z.B. von „einem adeligen Wohnhaus“ in Hirschstetten in die „Stadtrandsiedlung“ neben dem alten Dorfkern von Breitenlee. Derartige Stadtrandsiedlungen wurden in Transdanubien übrigens mehrere angelegt, meist von der Stadtregierung des Roten Wien. Diejenige in Breitenlee wurde erst 1934-1936 errichtet und sollte der Entproletarisierung der Arbeiter dienen, indem sie hier angesiedelt wurden und die umgebenden Gärten und Felder bewirtschafteten. Die Reise geht weiter in die mondäne Vorgeschichte der Seestadt. Das Areal Flugfeld Aspern war der Wiener Flughafen und auch Schauplatz von Autorennen. In Essling befand sich die erfolgreichsten Rennwagenschmiede Europas der 1960er Jahre. In der Schlacht bei Aspern (in Frankreich Bataille d’Essling genannt) unterlag Napoleon 1809 der österreichischen Armee unter Erzherzog Carl. Der Löwe vor der Kirche erinnert an die unzähligen gefallenen Soldaten.
Im übrigen befindet sich auch das Einkaufszentrum Donaustadt auf historischem Boden. Die Donaustadt war seit langem Warenumschlagplatz für die Stadt Wien – nämlich für landwirtschaftliche Produkte.
Vielleicht macht das Buch Lust, von der Donaustadt mehr zu sehen als den Ikea Nord und die Lobau. Mit der U-Bahn ginge es ganz einfach in die Seestadt, mit einer Wanderung entlang des Wiener Rundumatum – Weges könnte man die beschriebenen ländlichen Bezirksteile erkunden. Deren Erreichbarkeit mit Öffis erinnert allerdings an das mühsame Vorankommen der abgebildeten historischen Straßenbahnen.

Helga Dieberger

Kaleidoskop der Dinge

24. Oktober 2021

Museumsmanagement NÖ (Hg.): Kaleidoskop der Dinge. Muster – Sammeln – Sichten – Gestalten
Idee: Ulrike Vitovec
Autor*innen: Michal Čudrnák, Juliane Fischer, Nina Harm, Elena Krizmanics, Rocco Leuzzi, Ardiána Mendlová, Michael Resch, Hana Sedláčková, Maria Walcher, Christa Zahlbruckner (Projektleitung und Redaktion)
Softcover, 136 Seiten
Eigenverlag, St.Pölten 2021
Euro 10,89
ISBN 978-3-903058-33-0
Kaleidoskop der Dinge | Museumsmanagement NÖ (noemuseen.at)
Die Publikation ist auch auf Slowakisch erschienen. Übersetzungen Taida Ondrovičová


Das Buch markiert den Abschluss einer sich über fünf Jahre, von 2017 bis 2021, erstreckenden Arbeit an einem Eu-Gemeinschaftsprojekt von niederösterreichischen und slowakischen Partner*innen. Federführend ist das „Museumsmanagement Niederösterreich“ unter der Leitung von Ulrike Vitovec, das Dach und Sammelbecken für kleinere Museen des Landes darstellt. Das Ziel des Projektes „Heritage SK-AT“ ist es, die Erhaltung des gemeinsamen kulturellen Erbes zu fördern. Das Konzept sah vor, künstlerische und handwerkliche Produktion anzustoßen, grenzüberschreitende Ausstellungen zu veranstalten und die Digitalierung und Webpräsentation von Handwerks- und Mustersammlungen voranzutreiben. Tatsächlich ist das Projekt im Endspurt, und tatsächlich ist vieles davon gelungen. Ein Projekt dabei war die von Wolfgang Galler kuratierte Ausstellung über die Kellerlandschaften Mitteleuropas im Schloß Jedenspeigen und im slowakischen Pezinok. „Das Kaleidoskop der Dinge“ – ein sehr poetischer Buchtitel – beschreibt die Digitalisierung von Kleinsammlungen mit bemerkenswertem Bestand diesseits und jenseits der March. In Niederösterreich sind es beispielsweise musealisierte Mustersammlungen aus der Textilfabrik Hackl in Weitra, die Habanerkeramik des Hollabrunner Museums „Alte Hofmühle“, die Bestände der musealen Walzengravieranstalt Guntramsdorf, das Lilienporzellan im „Wilhelmsburger Geschirrmuseum“, Bestände also, die aus allen Vierteln des Landes stammen. Auf slowakischer Seite werden etwa die berühmte Keramik aus Modra, Textilien aus Viničné, eine Weinbausammlung aus den Kleinen Karpaten erfasst. Dabei ist es nicht nur eine museale Aufarbeitung, vielmehr wird versucht, die durch das Material angeregte Beschäftigung junger Künstler*innen und Handwerker*innen mit dem Erbe zu zeigen. Beeindruckend ist das Fortleben der slowakischen Drahtbinderei in einem österreichischen Betrieb, der mit dieser Technik Tore, Türen und vieles mehr produziert.
Auf der Website https://www.noemuseen.at/dipkatalognoemuseen/ sind die Museumsbestände einzusehen. Michal Čudrnák von der slowakischen Nationalgalerie beschreibt den komplexen Weg zu einer erfolgreichen Digitalisierung, die sowohl der Wissenschaft als auch der interessierten Öffentlichkeit bedienungsfreundlich zur Verfügung steht. Der Anfang ist gemacht. Es ist wohl der richtige Ansatz für eine Zukunft, die bewahren und auch weiterentwickeln möchte.
Die zahlreichen, oft assoziativ eingefügten Abbildungen verleihen dem Buch eine grafisch reizvolle Gesamterscheinung.
RE

Das Weinviertel. Herrschaft, Siedlung und soziales Geschlecht im Hohen Mittelalter

22. September 2021

Erwin Kupfer, Das Weinviertel; Herrschaft, Siedlung und soziales Geflecht im Hohen Mittelalter, Wien 2017.
603 Seiten; 31 Stammtafeln und 22 Karten; Taschenbuch; Format: H 25,5cm x B 8cm
Bestellnummer: ISBN 978-1-973-24457-8
Preis: Euro 39,06
Bezugsquelle:
https://www.amazon.de/Das-Weinviertel-Herrschaft-Siedlung-Mittelalter/dp/1973244578


Dem Mediävisten Erwin Kupfer sind bereits seit vielen Jahren höchst lesenswerte Studien zur Geschichte des heutigen Österreichs im Mittelalter zu verdanken. Darunter etwa „Das Königsgut im mittelalterlichen Niederösterreich vom 9. bis zum 12. Jahrhundert“ oder „Krongut, Grafschaft und Herrschaftsbildung in den südöstlichen Marken und Herzogtümern vom 10. bis zum 12. Jahrhundert“.
Mit seinem Opus magnum „Das Weinviertel; Herrschaft, Siedlung und soziales Geflecht im Hohen Mittelalter“ ist Kupfer aber der ganz große Wurf gelungen.
Die Übertitelung des Werkes mit „Das Weinviertel“ mag im ersten Moment nur auf einen relativ kleinen geografischen Raum verweisen, doch geht die Darstellung des dortigen Herrschaftsgeflechtes, das in den Kontext größerer historischer Zusammenhänge gestellt wird, weit über eine kleinräumige Spezialstudie hinaus. Überdies bezieht sich der Titel, freilich notwendigerweise, um eine geografische Verortung des Dargelegten zu ermöglichen, auf eine Region in ihrem heutigen Verständnis und nicht auf eine verwaltungstechnische oder gar territoriale Einheit in dem hier vorgestellten Untersuchungszeitraum, der sich vom bis in das 13. Jh. erstreckt.
Kupfer gelingt es, die oft verworrenen Herrschafts- wie auch Verwandtschaftsverhältnisse bzw. Beziehungsgeflechte so klar darzulegen, wie dies bei einer solch komplexen Ausgangssituation nur irgend möglich ist. Man denke an die vielen mehrfach in der Region existenten gleichen bzw. ähnlichen Ortsnamen, die eine Zuordnung einzelner Personen zu dem richtigen Ort oft zu einer Herkulesarbeit machen; von dem Auseinanderhalten der Personen selbigen Namens, die als Herrschaftsträger mitunter sogar gleichzeitig in einer Ortschaft auftauchen, ganz zu schweigen. Als plakative Beispiele seien nur die in nächster Nähe liegenden Orte Nieder- und Oberleis genannt oder die Trägerinnen des Namens Adelheid, die Ende des 12. Jh. in Zusammenhang mit Ulrichskirchen Erwähnung erfahren, jedoch unterschiedliche Personen sind. Doch genügen solch herausgegriffenen Exempel sicher nicht, um der Dichte und dem geballten Wissen, das hier seinen Eingang zwischen zwei Buchdeckeln fand, gerecht zu werden.
Ein nicht zu unterschätzender Mehrwert des Buches sind auch die 31 Stammtafeln und 22 Karten im Anhang. Einfach zu erschließen ist das Werk durch ein umfangreiches Personen- und Ortsregister.
Möchte man unbedingt einen Diskussionspunkt finden, so könnte bei aller Vorsicht höchstens die angedeutete Ausnahme der „slawischen“ Besiedlung der Region etwa um Bernhardsthal und Hohenau ins Rennen geführt werden. Da hier die archäologischen Quellen bei aller Vorsicht ein anderes Bild auch noch in der Zeit bis in das 11. Jh. hinein erkennen lassen, als es die frühen schriftlichen zu den Ortsnamen in dieser Umgebung bieten. Doch sind das archäologische Fundmaterial und dessen Interpretation auch nicht Thema dieses Bandes.
Aus eigener Erfahrung und intensiver Nutzung dieses Werkes, faktisch seit dem Tag seines Erscheinens, sei dieses Buch allen ans Herz gelegt, die sich mit der Region beschäftigen, sowohl als gut strukturiertes Nachschlagewerk ebenso wie auch als ein Buch, in dem man lange schmökern kann, in dem komplexe Sachverhalte in lesbarer Form auch für nicht ExpertInnen verständliche dargelegt werden und das eine Grundlage zur Überarbeitung so mancher, schon etwas in die Jahre gekommener regionalgeschichtlicher Literatur bietet. Genauso werden sich aber auch noch Expertinnen und Experten zur dargelegten Epoche weit über das Weinviertel oder Niederösterreich hinaus mit diesem Buch auseinandersetzen müssen, das wohl grundlegend für viele kommende Studien sein wird, die sich mit dieser Thematik befassen.
Übrigens ist dieses umfangreiche Werk auch besonders preiswert zu erwerben – der vergleichsweise niedrige Verkaufspreis steht in keinem Verhältnis zu dem inhaltlichen Wert, den dieses Buch bietet.

Wolfgang Galler

Jakobsweg Weinviertel

15. September 2021

Reinhard Mandl: Jakobsweg Weinviertel. Zu Fuß von Mikulov nach Krems an der Donau
Edition Winkler-Hermaden, 2021
144 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Hardcover
ISBN 978-3-9519804-8-5
Euro 24,90
http://www.edition-wh.at


Jakobswege sind Pilgerstrecken, die ganz Europa überziehen, mit dem gemeinsamen Ziel, die wohl bedeutendste Pilgerstätte des Kontinents – neben Rom – nämlich Santiago de Compostella im Nordwesten Spaniens zu erreichen. Santiago ist der Ort, an dem der Apostel Jakobus der Ältere seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Er ist in der christlichen Kunst mit einer Muschel dargestellt, die zum Wahrzeichen der Jakobspilger geworden ist. Pilgern, also Wandern mit spirituellem Hintergrund, ist durchaus im Trend der Zeit. Jakobswege wurden allerorts wiederentdeckt und in die touristische Vermarktung einbezogen. Wandern in jeder Form als naturnahe und naturbewahrende Art von Freizeitaktivität boomt. Dementsprechend sind neben kirchlichen Akteuren auch die Gemeinden und der Weinviertel Tourismus als Betreiber des hiesigen Weges mit eingebunden.

Reinhard Mandl ist kein Unerfahrener. Der Berufsfotograf mit Studium der Kultur- und Sozialanthropolgie (ehemals Völkerkunde) hat den Jakobsweg Österreich, von Ost nach West verlaufend, bereits 2006 begangen und in einem Buch präsentiert . 2010 wurde der Jakobsweg Weinviertel initiiert, als Nordostast eines europäischen Netzwerkes richtung Brünn und darüber hinaus. Der Weinviertler Weg führt, wie der Titel bereits kundtut, von Mikulov (Nikolsburg) bis Krems an der Donau. Stationen sind Falkenstein, Poysdorf, Mistelbach, Buschberg, Ernstbrunn, Großrußbach, Michelberg, Stockerau, Hausleiten, Kirchberg am Wagram, Rohrendorf und schließlich Krems.

Der Autor läßt uns mitwandern. Er ist alleine unterwegs, mit Rucksack und Wanderschuhen, und berichtet auf anregende und unterhaltsame Weise das, was ihm begegnet, was ihn bewegt und auch bedrängt, wie etwa ein schmerzender Fuß. An Authentizität mangelt es nicht, und er erweckt tatsächlich die Lust, es ihm gleichzutun. Staunend erfahren wir von Winkeln im vermeintlich wohlbekannten Weinviertel, die nur der Wanderer kennenlernt.

Ein paar Hoppalas, die einem Fotografen nachzusehen sind, scheinen mir dennoch unerläßlich anzumerken: die Bernsteinstraße, wie auf Seite 12 kundgetan, ist nicht identisch mit der Brünnerstraße, sondern verläuft deutlich östlicher entlang der March; ein „bemerkenswertes gotisches Relief aus dem 18. Jahrhundert“, wie es auf Seite 26 erwähnt wird, ist ein Widerspruch in sich. Es wird wohl ein „barockes“ gemeint sein. Und schließlich – damit bin ich mit meiner Besserwisserei schon am Ende – ist die Podologie (Seite 83), also die hier gemeinte nichtärztliche Heilkunde des Fußes, nicht die „Pädologie“, wie geschrieben steht. Die Pädologie ist die Wissenschaft vom gesunden Kind.

Die fotografische Ausstattung harmoniert gut mit den Kapiteln, denen jeweis der Bildteil nachgestellt ist. Die Edition Winkler-Hermaden hat in bewährter Manier einen weiteren Text/Bildband der mittlerweile stattlichen Weinviertel-Abteilung hinzugefügt.
RE

Untersuchungen zum hallstattzeitlichen Siedlungsraum Grossmugl

22. Mai 2021

Volker Lindinger – Ernst Lauermann: Untersuchungen zum hallstattzeitlichen Siedlungsraum Grossmugl; 

Fundplätze, Altfundmaterial und geophysikalische Prospektion

(Archäologische Forschungen in Niederösterreich, Neue Folge, Band 8)

Herausgegeben von Franz Pieler und Armin Lausegger

Krems 2020

208 Seiten; zahlr. Abbildungen; Format A4

Bestellnummer: ISBN 978-3-903150-78-2

Preis: Euro 25,00 

Bezugsquelle: https://www.noe.gv.at/noe/Kunst-Kultur/Archaeologie_Publikationen.html


Der Leeberg oder auch einfach der große Mugl von Großmugl ist Identifikationspunkt und Wahrzeichen für die ganze Region. Nicht umsonst ziert er auch das Cover des hier schon besprochenen Buches „Die Pyramiden des Weinviertels“ von Ernst Lauermann (Edition Winkler-Hermaden, 2020), der auch bei dem hier vorliegenden Werk mitverantwortlich zeichnet. Als Landmarke ragt er aus seiner Umgebung hervor und ist heute noch ob seines Umfanges ein Symbol der Macht – wohl ganz im Sinne seiner Schöpfer. Er ist aber nur die sprichwörtliche Spitze des „archäologischen Eisberges“, denn es handelte sich um eine weitläufige Kulturlandschaft, die ihn umgab und deren sofort ins Auge fallender Zeuge er ist. Er muss aber in der Zusammenschau mit seiner Umgebung gesehen werden, wo sich nicht alle Spuren dieser vergangenen Epoche so einfach erkennen lassen. Um diesen Kontext wissenschaftlich unter die Lupe nehmen zu können und die Siedlungs- und Kultlandschaft dieser Zeit wiedererstehen lassen zu können, bedurfte es vieler Jahre der Forschung und auch modernster technischer Methoden, die das Bild so weit verfeinerten, dass sich nun ein ganz neuer spannender Einblick in das Leben der Menschen rund um den Großgrabhügel ergibt. Das Ergebnis dieses langen Forschungsprozesses haben nun Volker Lindinger, Archäologe und Spezialist für geophysikalische Untersuchungen, und Ernst Lauermann, bis 2018 niederösterreichischer Landesarchäologe, in eindrucksvoller Weise zwischen zwei Buchdeckel gebannt. Um diese umfassende Darstellung schaffen zu können, wurde nicht nur auf die aktuellen Ergebnisse, die mit auf neustem Stand der Technik befindlichen zerstörungsfreien Prospektionsmethoden gewonnen wurden, zurückgegriffen, sondern auch auf die Bearbeitung der Altfunde aus Großmugl.

Die besonders intensiv in der älteren Hallstattzeit genutzte Siedlung auf den Fluren Totenweg, Klafteracker, Ortsried und Hinterbrunn umfasste etwa 40 Hektar – mit dieser Größe scheint sich die Siedlungslandschaft von Grossmugl unter die Zentralsiedlungen dieser Zeit einzureihen. Anhand der Befunde einiger Häuser, die ob ihrer Größe und räumlichen Lage von der Norm abweichen, lassen sich auch Rückschlüsse auf eine gehobene soziale Stellung einiger der Bewohner der Siedlungen ziehen. 

Wie zur Welt der Lebenden, so erbrachten die Untersuchungen auch spektakuläre Ergebnisse zur Welt der Toten. Dass der große Mugl nicht alleine war, ist zwar bereits bekannt – besonders Luftbilder gaben ja hier schon länger ein beredtes Zeugnis ab – doch haben geophysikalische Messungen nun ein Vielfaches von diesem ans Licht gebracht. Die Ausmaße des erschlossenen Gräberfeldes zwischen der Siedlung und der Großgrabgruppe „Beim Leeberg“ betragen circa 6 Hektar, auf dem sich mindestens 86 Grabhügel befanden. 

Als Verbindung zwischen den beiden genannten Bereichen konnte überdies der Verlauf eines Altweges ermittelt werden, der vermutlich derselben Zeitstufe angehört wie Siedlung und Gräberfeld. Gerade Wege und Straßen besitzen ja einen, wenn auch lange vernachlässigten, hohen Stellenwert, wenn es um die Erschließung von Räumen geht.

Wolfgang Galler


Mehr von Ernst Lauermann:

Die Pyramiden des Weinviertels

Archäologie des Weinviertels

Wolfgang Galler: Straße und Handel – Siedlung und Herrschaft

Landesfürstliche Stadt Laa an der Thaya

22. Mai 2021

Rudolf FÜRNKRANZ: Landesfürstliche Stadt Laa an der Thaya. 1600 – 1800. „… von so überlang ertragener Not…“

Edition Weinviertel, 2021

Gebunden, 488 Seiten, s/w Abbildungen

ISBN 978-3-902589-99-6

Euro 29.-

www.edition-weinviertel.at/shop/catalog/product_info.php?cPath=32&products_id=475


Rudolf Fürnkranz ist ein unermüdlicher Chronist der „Landesfürstlichen Stadt Laa an der Thaya“. Ein Leben lang beschäftigte sich der ausgebildete Historiker und pensionierte Direktor der Laaer Handelsakademie mit der Geschichte seiner Stadt. Der vorliegende Band fügt den Schlussstein in das monumentale Alterswerk. Mit den beiden vorab erschienenen Bänden „Landesfürstliche Stadt Laa an der Thaya. Von den Anfängen bis 1600“ und „Landesfürstliche Stadt Laa an der Thaya. 1800 – 2000“ entwirft er, weitgehend im Alleingang, ein großartiges Panorama.

Fürnkranz ist Historiker alter Schule. Mit Fleiß und Akribie wertet er Ratsprotokolle, Pfarrchronik und Archivalien aller Art derart gründlich aus, dass sich daraus ein Fresko des Stadtlebens im 17. und 18. Jahrhundert entwerfen läßt. Beinahe für jedes Jahr findet sich ein Eintrag. Es ist die Geschichte, die aus den Quellen destilliert wird, die die (männliche) Stadt- und Pfarrobrikeit hinterlassen hat. Damit ist der Zugang ein sehr traditioneller, heute nur mehr wenig verfolgter. Aber eine Stadt, die ihre Geschichte erstmals erzählt bekommt, braucht wohl eine derartige Grundlage, an die sich viele andere Zugänge anschließen können.

Was der Untertitel „… von so überlang ertragener Not…“ bereits kundtut, wird uns im Detail vor Augen geführt. Laa hat in diesen 200 Jahren wenig Aufschwung und viel Drangsal erlebt. Immer wieder wird von Militäteinquartierungen und Plünderungen berichtet, die für die Bevölkerung nicht nur materielle Bedrängnis, sondern auch Gewalt und Mord bedeuteten. Bei aller „ertragener Not“ hat sich Laa nicht unterkriegen lassen, obwohl die exponierte Lage in einem Sumpfgebiet und unmittelbar an der Grenze schwierige Voraussetzungen waren. Die Lebensfreude klingt nur zwischen den Zeilen durch. Vielfach wird von Streitfällen berichtet, die, weil sie vor dem Stadtrichter gelandet sind, aktenkundig werden.

Erstaunlich ist die Dichte des Quellenmaterials, das bei aller Bedrohung durch Feind und Feuer doch die Zeiten überdauert hat. Die Lektüre ermöglicht ein Eintauchen in das Leben einer Stadt in Zeiten der Gegenreformation, des 30-jährigen Krieges, der Türken- und Kuruzzenbedrohung, in die Lebensbedingungen im 18. Jahrhundert, die den Wandel hin zu einer aufgeklärten Gesellschaft verspüren lassen. Große Geschichte, auf die Weinviertler Kleinstadt heruntergebrochen, ist das unleugbare Verdienst des Doyens der Laaer Historie. Gratulation an Rudolf Fürnkranz, der – hoch in den 80ern – seinen großen Wurf vollenden konnte. Wir dürfen gespannt sein, womit er uns wohl noch überraschen wird.

RE    


Mehr von Rudolf Fürnkranz:

Der Schimmel aus der Grundlos.

Laa/Thaya. Eine Zeitreise in Bildern. Mit Herbert Jaitner

Landesfürstliche Stadt Laa/Thaya.

Das alte Laa/Thaya. Mit Herbert Jaitner

Wald.Geschichte.Weinviertel.

24. Februar 2021

DENNER Manuel: Wald.Geschichte.Weinviertel. Der Mittelwald im Weinviertel – historische Waldnutzung als gelebte Tradition und Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt

Mit Beiträgen von Lukas Čižek, Norbert Helm, Petr Kozel, Honza Miklin, Pavel Šebek und Matthias Weiss

Verlag Berger, Horn 2020

144 Seiten, Pappband, cellophaniert

ISBN 978-3-85028-922-1

Euro 29.90

Wald.Geschichte.Weinviertel | Der Mittelwald im Weinviertel – historische Waldnutzung als … | Denner, Manuel | Verlag Berger Onlineshop (verlag-berger.at)


Als Wienerwaldanrainerin war für mich dieser der Inbegriff des Waldes, hohe hundertjährige Buchen, undurchdringliche Baumkronen, dazwischen Eichenbestände und gelegentlich eingestreute Fichten oder Lärchen, im südlichen Wienerwald Föhren, dunkler Waldboden. Auf die Weinviertler Wälder mit ihren meist niedrigen Bäumen und lockerem Bewuchs blickte ich sehr geringschätzig herab. Manuel Denner hat mich eines Besseren belehrt.

Manuel Denner, seit seiner Kindheit an der Natur des Weinviertels interessiert, absolvierte eine forstwirtschaftliche Ausbildung und studierte Landschaftsplanung und -pflege an der Universität für Bodenkultur in Wien.

In der ersten Hälfte des Buches Wald.Geschichte.Weinviertel. führt er die LeserIn zunächst in die Entstehungsgeschichte des Waldes in Ostösterreich ein. Er beginnt am Ende der letzten Eiszeit und berichtet vom Einfluss des Klimas und besonders der großen Pflanzenfresser wie Mammut, Wisent und Auerochsen, die frische Triebe und Krautschicht abweideten und unterholzarme lichte Wälder erzeugten. Später prägte der Mensch das Erscheinungsbild des Waldes durch teils radikale aber auch angepasste Nutzung. Wälder wurden zur Gewinnung von Ackerland und zur Gewinnung von Bau- und Brennholz geschlägert, besonders in Gebieten mit Bergbau war der Holzbedarf enorm. Die Trennung von Wald und Feld war nicht so streng wie heute, der Wald diente häufig als Viehweide, z.B. eigneten sich Eichenwälder hervorragend zur Schweinemast.

Im Mittelalter werden die Wälder vom freien Gut zum Eigentum. Besitzer waren die Grundherrschaft, meist Adelige oder Klöster, die Untertanen durften die Wälder unter bestimmten Bedingungen nutzen. Schlägerungen wurden zunehmend geregelt. Schriftliche Quellen, die bis ins 15. und 16. Jahrhundert zurückreichen, belegen Erwerb und  Nutzung durch Gemeinden (z.B. Ketzelsdorfer Gemeindewald) und Wald- bzw. Agrargenossenschaften (z.B. Steinbergwald). In manchen Gegenden wird der Wald nach wie vor von Waldgenossenschaften  genutzt (z.B.Hörersdorf).

Im Weinviertel ist der Waldanteil an der Landschaft gering, nichtsdestotrotz aber sehr bedeutsam. Der Wald wird hier als Mittelwald bewirtschaftet. Das heißt, dass Unterholz zur Brennholznutzung regelmäßig entfernt wird, Stockausschläge, also die Triebe der umgeschnittenen Bäume und Sträucher können alle 20-30 Jahre verwendet werden, nur manche Stämme werden belassen und als sogenannte Überhälter erst von der übernächsten Generation geerntet. Denner berichtet auch über vergleichbare Waldnutzung in anderen europäischen Ländern.

Während die typische Weinviertler Landschaft mit intensiver Nutzung von Feldern und Weingärten wenig Raum für Wildtiere und Pflanzengesellschaften belässt, bietet die Mittelwaldbewirtschaftung durch das Nebeneinander unterschiedlicher Lebensräume ideale Bedingungen für eine stabile Artenvielfalt. Dichte und lockere Bestände an Büschen und Unterholz, in frisch geschlägerten Bereichen auch krautige offene Böden sowie das alte Eichenholz der Überhälter oder das Belassen von Totholz in den March-Thaya-Auen nutzen Insekten, Vögel und andere Baumbewohner als Wohnraum, Nisthöhle oder Nahrungsquelle. Einen Überblick über die Tiere und Pflanzen des Weinviertler Mittelwaldes gibt die zweite Hälfte des Buches.

Die Vielfalt an Vögeln, Tagfaltern, Käfern und Heuschrecken will nun von umweltbewussten Weinviertlern entdeckt und bewahrt werden!

Helga Dieberger

Abenteuer Wissenschaft

23. Januar 2021

HOFMANN Thomas: Abenteuer Wissenschaft. Forschungsreisende zwischen Alpen, Orient und Polarmeer

Böhlau Verlag, 2020

287 Seiten mit 190 farbigen Abbildungen, gebunden

ISBN 978-3-205-21104-4

Buch Euro 36.-/ e-book (pdf) Euro 28,80

Abenteuer Wissenschaft | Sozial- und Kulturgeschichte | Geschichte | Themen entdecken | Vandenhoeck & Ruprecht Verlage (vandenhoeck-ruprecht-verlage.com)


Thomas Hofmann, über dessen Weinviertelpublikationen (s. unten) hier oft geschrieben wurde,  stürzt sich in das Abenteuer Wissenschaft und nimmt uns mit auf Forschungsreisen, wie der Untertitel verrät, zwischen Alpen, Orient und Polarmeer. Also überall dorthin, wo vor allem GeologInnen ihre Erkundungen anstellen. Und das ist selbstverständlich kein Zufall. Hofmann ist gelernter Geologe und leitet seit vielen Jahren Bibliothek, Verlag und Archiv der Geologischen Bundesanstalt in Wien.

Was er uns kundtut, sind nicht vorrangig wissenschaftliche Errungenschaften der letzten zwei Jahrhunderte, es sind vielmehr die Personen hinter oft bahnbrechenden Ergebnissen. Wir erfahren von tragischen Unfällen, Problemen mit der Bevölkerung vor Ort, Schwierigkeiten bei Nahrungsbeschaffung und Entbehrungen durch Wetterunbill.

Wir erfahren auch von Eitelkeiten in der Wissenschaftscommunity. Zur höchsten Ehre gehört etwa die Benamsung eines Berggipfels nach einem verdienten Forscher, wobei gelegentlich ein Vorschlag, wenn er aus der KollegInnenschaft kommt, durchaus zu einem wohlwollenden Gegenvorschlag führen kann, vorausgesetzt natürlich, die Geehrten sind noch am Leben. Manchmal wird auch Vorkehrung getroffen, um für den Nachruf in eigener Sache die nötigen Inhalte bereitzustellen.

Hofmann bekundet für seine Helden viel Sympathie, für ihre Meriten und menschliche Schwächen, und er vermittelt uns seinen Respekt vor persönlichen Aufzeichnungen wie Tagebücher oder Briefe, die sich auch in den verwahrten Nachlässen befinden.

190 bemerkenswert gut ausgewählte Abbildungen begleiten die Kapitel und tragen wesentlich zur Veranschaulichung der für Laien manchmal sperrigen Materie bei. Wissenschaftsgeschichte braucht einen Vermittler wie Hofmann, der Fachkundigkeit und journalistisches Geschick auf eingängige Weise verbindet.

RE


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